Schleswig-Holstein Pottwale verenden im Wattenmeer
Friedrichskoog - Mühsam bahnte sich das Rettungsschiff den Weg zu den verendeten Walen. Die Besatzung der "Baumrönne" sollte prüfen, ob die Kadaver der drei Pottwale die Schifffahrt gefährden könnten, sagte Dieter Schmidt vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Cuxhaven. Bereits am Dienstag waren die Tiere rund neun Kilometer vor der Nordseeküste südwestlich von Friedrichskoog gefunden worden. Selbst bei Flut ist das Meer hier nur 1,50 Meter tief - die Walbullen hatten in diesen Gewässern keine Chance. Sie strandeten und erstickten anschließend.
In Schlauchbooten fuhren auch Greenpeace-Mitglieder an den Unglücksort. "Es herrscht starker Verwesungsgeruch", sagte Greenpeace-Wal-Experte Thilo Maack. "Die Tiere sind offenbar an ihrem eigenen Gewicht erstickt." Nach Maacks Meinung leiteten starke akustische Signale die Tiere fehl. Ölbohrungen westlich der Shetland Inseln könnten die Töne ausgesendet haben. Dies würde erklären, warum sich die Pottwale in der flachen Nordsee verirrt hätten.
Für Aufregung sorgten auch zwei Mitarbeiter des Nationalparkamtes, die den Tieren helfen wollten. Zu Fuß hatten sie sich auf Wal-Suche gemacht und waren von dichtem Nebel überrascht worden. Über Funk riefen sie Hilfe und lösten eine große Suchaktion aus. Ein Hubschrauber entdeckte die Männer schließlich und brachte sie unverletzt an Land.
Walstrandungen können nach Expertenmeinung verschiedene Ursachen haben. Akustische Störquellen können genauso verantwortlich sein wie Umweltgifte oder Krankheiten, erklärten die Wal-Experten Stefan Ludwig von der Universität Kiel und Petra Deimer, Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere. Auch seien Störungen durch geomagnetische Felder möglich.
Normalerweise ziehen die Wale nordwestlich an Schottland und Irland vorbei. Doch in letzter Zeit änderten viele Tiere ihre Route. "Immer mehr Wale verirren sich in die Nordsee", sagte Greenpeace-Mitarbeiter Maack. In den vergangenen 10 Jahren seien 98 Pottwale in der Nordsee gesichtet worden, von denen 82 strandeten.
Bislang ist noch unklar, ob die Kadaver der etwa 11 Meter langen Meeressäuger geborgen werden können oder vor Ort verwesen sollen. Allerdings ist eine Bergung eher unwahrscheinlich. Sollte von den Tieren keine Gefahr ausgehen, könnten sie im Watt bleiben, sagte Schmidt.