Schlusswort Dutroux leugnet Mädchenmorde
Arlon - "Ich bin kein Mörder", sagte Marc Dutroux den Geschworenen, die in der kommenden Woche über seine Schuld oder Unschuld entscheiden sollen. Er sei aber für den Tod der vier Mädchen verantwortlich, weil er sie der Obhut anderer überlassen habe.
"Manche glauben, ich hätte den Schlüssel für alles Unbekannte in der Hand", sagte der Angeklagte. Über die genauen Todesumstände der vier Entführungsopfer wisse er nichts, weil er nicht dabei gewesen sei. Zu den Geschworenen sagte er: "Schützen Sie nicht die wahren kriminellen Täter, indem Sie mich für Taten verurteilen, die ich nicht begangen habe."
Nach Angaben von Prozessbeobachtern wirkte Dutroux wie besessen von der 440.000 Seiten starken Untersuchungsakte. Er ratterte Namen, Vorgängen und Aktenzeichen in einer solchen Geschwindigkeit herunter, dass die zwölf Laienrichter sich kaum Notizen machen konnten. In seinem Vortrag machte der 47-Jährige auch nebulöse Andeutungen. Manche Ermittlungsprotokolle seien so brisant, dass er sie im Gerichtssaal nicht zu zitieren wage, sagte er.
Dutroux wandte sich auch an seine Ex-Frau Michelle Martin, die ebenfalls auf der Anklagebank sitzt. Sie solle die Wahrheit sagen. "Michelle, ich habe dich geliebt wie keine andere, und ich habe immer noch Gefühle für dich", rief er ihr zu. Martin saß einen Meter neben Dutroux, ihr Gesicht in den Händen verborgen.
Der vorbestrafte Kinderschänder muss sich wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung von sechs Mädchen verantworten, von denen vier zu Tode kamen. Angeklagt ist er auch des dreifachen Mordes. Er hat zugegeben, seine überlebenden Opfer Sabine und Laetitia entführt und sexuell misshandelt zu haben.
Den Mordvorwurf an der zum Tatzeitpunkt vor neun Jahren 17 Jahre alten An und der 19-jährigen Eefje sowie an seinem Komplizen Bernard Weinstein weist er zurück. "Die gewalttätigen Mörder von An und Eefje sind in Freiheit", sagte er mit Verweis auf kriminelle Seilschaften in Charleroi. Zudem will Dutroux nicht an der Entführung der damals achtjährigen Julie und Melissa beteiligt gewesen sein, die ebenfalls zu Tode kamen.
Während der dreistündigen Rede Dutroux' verließen die beiden überlebenden Opfer des Kinderschänders, Sabine Dardenne und Laetitia Delhez, den Gerichtssaal. Paul Marchal, Vater der getöteten An, blieb bis zum Ende, zeigte sich aber geschockt von den Ausführungen des Angeklagten. "Er hat nicht in allen Punkten gelogen", sagte Marchal. "Es gab kleine Stückchen von Wahrheit, aber das ändert nichts an seiner Schuld und an dem, was er getan hat."
Die mitangeklagte Michelle Martin betonte in ihrem Schlusswort, sie sei sich des Leides der Opfer und ihrer Familien bewusst. "Ich bitte nicht um Verzeihung, aber ich möchte mein Bedauern und meine Reue zum Ausdruck bringen", sagte die 44-Jährige. Der vorbestrafte Betrüger Michel Nihoul bestritt, sexuelles Interesse an Minderjährigen zu haben. Der vierte Angeklagte, Michel Lelievre, verzichtete auf ein Schlusswort.
Das Urteil des Schwurgerichts, das über 260 Einzelfragen entscheiden muss, wird in der kommenden Woche erwartet. Dutroux droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.