Schneechaos: Eisige Nacht hinterm Steuer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Schneechaos Eisige Nacht hinterm Steuer

Die Räumfahrzeuge kamen mit dem starken Schneefall in Norddeutschland und Niedersachsen nicht mehr mit - örtlich fielen bis zu zwölf Zentimeter Neuschnee in nur zwei Stunden. Autofahrer mussten wegen Vollsperrungen die Nacht über in ihren Wagen ausharren. Weil keine Gasse gebildet wurde, kam keine Hilfe zu ihnen durch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Bei Schnee und eisiger Kälte haben mehrere hundert Autofahrer auf der Autobahn 2 Hannover - Dortmund stundenlang im Stau gesteckt. Nach einem unbedeutenden Unfall in der Nacht konnten die schweren Lastwagen an glatten Steigungen nicht wieder anfahren. Die Folge: bis zu 20 Kilometer Stau. Helfer vom Roten Kreuz verteilten Decken, Tee und Kaffee an die Frierenden. Unter ihnen war auch eine Mutter mit einem Baby.

"Es geht nichts mehr", sagte ein Polizeisprecher. Selbst die Streuwagen kamen über Stunden hinweg nicht durch, um die Unfallfahrzeuge am Stauanfang zu bergen. Viele Autofahrer bildeten keine Gasse, so dass zwischenzeitlich auch den Rettungswagen der Weg versperrt blieb. Im Stau kam es zu mehreren Unfällen mit Blechschäden, ernsthaft verletzt wurde jedoch niemand.

In Richtung Dortmund war gegen 0.30 Uhr ein Auto zwischen Rehren und Bad Eilsen gegen die Leitplanke geprallt. Durch starke Schneefälle und Straßenglätte hatten in der Folge die Lastwagen im Weserbergland Probleme und stellten sich quer.

Im Laufe der Nacht kamen auch in Richtung Hannover mehrere Laster ins Rutschen und blockierten die Gegenfahrbahn. Diejenigen, die die Autobahn verlassen konnten, saßen auf den Umleitungsstrecken fest. "Auch hier ist alles dicht", hieß es bei der Polizei.

Der Räumdienst hatte größte Schwierigkeiten an die entscheidenden Stellen zu kommen, weil viele Autofahrer keine Gasse bildeten. "Wir kommen einfach nicht durch, die Autofahrer lernen einfach nichts dazu", ärgerte sich der Fahrer eines Streufahrzeugs bei NDR 1 Niedersachsen. Mit dem Abschluss der Räumarbeiten wurde erst für den Vormittag gerechnet.

Mit acht Fahrzeugen und 25 Helfern war das Rote Kreuz seit 3.30 Uhr auf der Autobahn im Einsatz. "Wie haben Kaffee und Tee ausgeschenkt und Decken verteilt", sagte Einsatzleiter Bernd Harmening. "Die Leute frieren und sind dankbar für die heißen Getränke." Vor allem seien sie jedoch froh, dass sich jemand um sie kümmere.

Auch in anderen Teilen Niedersachsens und Bremens kam es zu Unfällen wegen Schnee und Eisglätte - vor allem im gesamten Regierungsbezirk Braunschweig. Im Harz war der Verkehr durch Neuschnee stark behindert. Lastwagenfahrer sollten das Mittelgebirge weiträumig umfahren. Viele Schulkinder hingegen freuten sich über das Winterwetter: In mehreren Orten fiel am Tag der Zeugnisvergabe die Schule aus.

Nach Polizeiangaben ging zwischen den Anschlussstellen Porta Westfalica (Nordrhein-Westfalen) und Bad Eilsen (Niedersachsen) auf einem etwa 16 Kilometer langen Abschnitt der Fahrbahn in Richtung Hannover nichts mehr. In bis zu 30 Zentimeter hohen Schneeverwehungen blieben Personen- und Lastkraftwagen stecken. Bis zum frühen Morgen war es hunderten Helfern gelungen, die Pkw aus den Schneemassen zu befreien, sagte ein Polizeisprecher. Der Stau in Richtung Hannover erreichte eine Länge von etwa zehn Kilometern.

Auch auf der Autobahn A 33 zwischen Bielefeld und Paderborn kam es wegen der Schneemassen teilweise zu erheblichen Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs. Schwerere Unfälle wurden nicht gemeldet. Heftige Schneefälle haben auch in Teilen Sachsens zu erheblichen Behinderungen auf den Straßen geführt. Nach Angaben des Lagedienstes im sächsischen Innenministerium waren am Morgen allein im Regierungsbezirk Dresden 13 Straßen wegen Schneeverwehungen gesperrt. Auch im Regierungsbezirk Chemnitz waren Straßenverbindungen unpassierbar. Im Raum Bautzen wurden Fahrzeuge durch Sturm von der Fahrbahn gedrückt. Allerdings blieb es in diesen Fällen den Angaben zufolge bei Sachschäden.

Auf dem Flughafen Hamburg wurde aufgrund der Schneefälle am Donnerstagabend zeitweilig der Flugverkehr eingestellt. Ein Sprecher sagte, zwei Stunden lang habe es keine Starts und Landungen gegeben.

Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, fielen seit gestern Abend zwischen fünf und zwölf Zentimeter Neuschnee. Die Meteorologen warnen aufgrund starker Böen weiter vor der Gefahr von Schneeverwehungen.