Schneechaos in Europa: Tausende Passagiere sitzen auf Flughäfen fest - DER SPIEGEL
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Schneechaos in Europa Tausende Passagiere sitzen auf Flughäfen fest

Eis und Schnee haben den Verkehr in Europa und Nordamerika vielerorts zum Erliegen gebracht. Auf dem Frankfurter Flughafen wurden Dutzende Flüge gestrichen, viele Straßen und Autobahnen sind gesperrt. Allein 60.000 Reisende sind vom Stillstand im Ärmelkanal-Tunnel betroffen.
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Eis, Schnee, Kälte: Kein Durchkommen mehr in Europa

Foto: MARCEL ANTONISSE/ AFP

Hamburg - Überall in Europa sind Verkehrsteilnehmer vom Winterwetter betroffen: Eisige Temperaturen und heftige Schneefälle machen vielerorts ein Fortkommen unmöglich.

Am Frankfurter Flughafen wurden am Montagmorgen bereits 42 Starts und Landungen gestrichen, wie der Verkehrsleiter mitteilte. Am Düsseldorfer Flughafen, der am Sonntag fast den ganzen Tag über wegen Schnees geschlossen war, normalisierte sich die Lage allmählich wieder. Dennoch seien bereits wieder einige Starts und Landungen abgesagt worden, sagte ein Sprecher. Es sei nur eine von zwei Bahnen in Betrieb, viele Flüge seien verspätet. Am Sonntag waren rund 400 Flüge und Tausende Passagiere von der Schließung betroffen gewesen.

Auf dem Airport Schiphol bei Amsterdam haben mehr als 700 Menschen die Nacht zum Montag auf Feldbetten zugebracht. Ihre Flüge waren wegen des Winterwetters gestrichen worden. Auch am Montag müsse mit erheblichen Verspätungen sowie mit der Annullierung von Flügen gerechnet werden, sagte ein Sprecher. Betroffen seien vor allem Ziele in Europa, die wegen anhaltenden Winterwetters nicht oder nur eingeschränkt angeflogen werden könnten.

Der Frankfurter Flughafen rechnete mit weiteren Schwierigkeiten wegen des Wetters im Lauf des Tages. Ab dem Mittag werde wieder Schneefall erwartet, sagte der Verkehrsleiter. Dann werde die Lage "wieder komplizierter". Die Flugausfälle am Morgen seien vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Maschinen am Sonntag nicht hätten starten können und deshalb nicht wie geplant am Montag zurückkehren könnten.

Eiszeit in Europa

Auch in anderen europäischen Ländern löste der Winter Chaos aus. In Rotterdam, Den Haag und weiteren Städten der Niederlande fiel wie schon am Wochenende auch am Montagmorgen erneut auf vielen Linien der Busverkehr aus. Als Grund nannten Betreibergesellschaften Gefahren durch Glatteis. Zudem seien etliche Schneeverwehungen noch nicht geräumt worden, so dass Busse nicht an ihre Ziele gelangen könnten. Auf Autobahnen und Fernverkehrsstraßen bildeten sich lange Staus.

In Frankreich gab der Wetterdienst für gut ein Fünftel des Landes am Montag erneut eine Schneewarnung heraus. Es wurde erwartet, dass 20 Prozent der Flüge gestrichen werden. Am Sonntag waren sogar bis zu 40 Prozent ausgefallen.

Pannenserie im Ärmelkanal-Tunnel betrifft 60.000 Reisende

Nach der Pannenserie im Tunnel unter dem Ärmelkanal steht der Hochgeschwindigkeitszug Eurostar auch am Montag still. Wie schon am Wochenende, als die schneebedingten Zugausfälle die Reisepläne von rund 60.000 Menschen durchkreuzt hatten, wird es auch zu Wochenbeginn lediglich Testfahrten durch den Tunnel zwischen Großbritannien und Frankreich geben.

Die bisherigen Tests hätten ergeben, dass der Schneeschutz an den Triebwagen verbessert werden müsse, um die elektrischen Anlagen zu schützen. Wegen der heftigen Schneefälle in Nordfrankreich hätten die Schilde, die die elektrischen Anlagen vor dem Eindringen von Schnee schützen sollten, versagt. Mit den Umrüstungen sei bereits begonnen worden, die weiteren Tests sollen deren Wirksamkeit prüfen, teilte das Unternehmen mit.

Nachdem am Samstag mehr als 2000 Reisende stundenlang in liegengebliebenen Zügen mitten im Tunnel hilflos festgesessen waren, hatte Eurostar den gesamten Zugverkehr am Wochenende gestoppt.

Erschöpfte Reisende hatten von chaotischen Zuständen und panischen Menschen in den gestrandeten Zügen berichtet. Eurostar-Chef Richard Brown entschuldigte sich und versprach, die Betroffenen zu entschädigen.

Deutsche Autobahnen gesperrt, Staus in 20 Kilometer Länge

Der Verkehr auf der Straße wurde in der Nacht zu Montag vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern durch Schneefälle behindert. Auf den Autobahnen verursachten liegengebliebene Autos und Lastwagen vielerorts massive Verkehrsbehinderungen. Die Autobahnen 1 und 45 im schwer eingeschneiten Nordrhein-Westfalen wurden stellenweise wegen Glätte vorübergehend gesperrt. Es kam zu kilometerlangen Staus.

"Die Autobahnen machen uns nach wie vor Sorgen", sagte ein Sprecher des Lagezentrums im Düsseldorfer Innenministerium. Nach der Kollision eines Autos mit einem Laster auf der Autobahn 30 bei Osnabrück blieb die Fahrbahn Richtung Rheine zunächst gesperrt. Das Auto brannte völlig aus, der Autofahrer kam mit leichten Verletzungen davon.

In Bayern führten starke Schneefälle und Glätte zu zahlreichen Unfällen. In Oberfranken kam es nach Polizeiangaben zu etwa 35 Verkehrsunfällen, die größtenteils glimpflich abliefen. In der südlichen Oberpfalz wurden circa 20 Unfälle gezählt. In Niedersachsen kippten im Schneetreiben mehrere Lastwagen um.

"Jeder Tropfen Wasser war sofort Eis"

Die Feuerwehren mussten deutschlandweit häufiger wegen geplatzter Wasserrohre ausrücken. In Düsseldorf standen Bühnen des Schauspielhauses unter Wasser, im saarländischen Neunkirchen lief der Modemarkt eines Einkaufszentrums voll. Die klirrende Kälte erschwerte außerdem die Löscharbeiten der Feuerwehren. "Jeder Tropfen Wasser war sofort Eis", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr im schleswig-holsteinischen Wedel bei Hamburg nach einem Einsatz.

In Thüringen hatten Spaziergänger am Sonntag die Leiche eines 81-Jährigen entdeckt. Er war erfroren, nachdem er sich vermutlich verlaufen hatte. In Mannheim erfror ein 46 Jahre alter Obdachloser, der im Freien schlief. In Reilingen, ebenfalls in Baden-Württemberg, stürzte ein 73-Jähriger auf schneebedeckter Fahrbahn mit seinem Fahrrad und schlug tödlich mit dem Kopf auf. Weitere Tote gab es bei Unfällen auf glatten Straßen etwa in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen.

Nordosten der USA befreit sich aus Schneemassen

Der Nordosten der Vereinigten Staaten erholt sich nach den schwersten Winterstürmen seit Jahren langsam wieder von den Schneemassen. In der Hauptstadt Washington türmte sich die weiße Pracht am Sonntagabend (Ortszeit) stellenweise noch bis zu 60 Zentimeter auf. Behörden und Schulen sollten deshalb auch am Montag noch geschlossen bleiben.

New York City kam mit einem blauen Auge davon. Trotz Schneehöhen von bis zu 40 Zentimeter stellten die U-Bahnen, Busse und Vorortzüge ihren Verkehr nicht ein. Nachdem alle drei New Yorker Flughäfen am Samstagabend wegen des dichten Schneetreibens ihren Betrieb eingestellt hatten, blieb es gespenstisch still am Himmel der 15- Millionen-Metropole.

In Washingtons angrenzenden Bundesstaaten Virginia und Maryland ging nach 24-stündigem Schneefall zunächst nichts mehr. Tausende Autofahrer strandeten auf den Straßen und mussten von Rettungsmannschaften in Notunterkünfte gebracht werden, der Flugverkehr brach am Wochenende weitgehend zusammen. Für Washington, Virginia, West Virginia, Delaware, Philadelphia (Pennsylvania) und Boston (Massachusetts) wurde der Schneenotstand ausgerufen.

Im Süden der Neuenglandstaaten fielen bis Sonntagabend stellenweise bis zu 60 Zentimeter Neuschnee. An manchen Orten waren die heftigsten Schneefälle erwartet worden, die jemals an einem Dezembertag gemessen wurden. Nach Medienberichten gab es Tausende Unfälle auf glatten Straßen, vor allem in den besonders hart betroffenen ländlichen Staaten Virginia und West Virginia. Hier halfen bis zu 1000 Nationalgardisten dabei, Menschen aus ihren steckengebliebenen Fahrzeugen zu befreien.

Flughäfen in Washington und New York geschlossen

In entlegenen Landstrichen saßen manche Autofahrer mehr als einen Tag lang fest. Die Einsatzkräfte kamen vielerorts über Stunden den eingehenden Notrufen nicht mehr nach. Insgesamt starben bis zum Sonntag fünf Menschen infolge der Schneefälle, vier davon im Straßenverkehr, einer vermutlich durch Unterkühlung.

Der öffentliche Verkehr brach ebenfalls zusammen. In Washington schloss der nationale Flughafen am Samstag ganz, auf dem internationalen Airport Dulles blieb nur eine Start- und Landebahn in Betrieb. Die meisten Flüge wurden gestrichen. Am Sonntag kam der Betrieb nur langsam wieder in Gang.

Auch die Großflughäfen von New York hatten bereits vor Ankunft der Schneemassen dicht gemacht. Tausende Reisende blieben auch im Logan Airport von Boston stecken. Junge Eltern tauschten Kinderwagen gegen Schlitten aus und zogen ihre Kleinen warm verpackt auf Kufen durch Manhattans Straßen. Im Central Park lösten Ski-Langläufer die Jogger und Fahrradfahrer ab. Bis auf einen halben Meter türmte sich der Schnee auf Long Island vor New York.

Im Nachbarstaat New Jersey blieb ein Bus auf schneebedeckten Eisenbahnschienen stecken. Zum Glück schafften es die 26 Fahrgäste ins Freie, bevor ein Zug auf das Fahrzeug prallte.

Leidtragende des Sturms waren auch die Ladenbesitzer. Am letzten Einkaufswochenende vor Weihnachten herrschte in vielen Shopping-Malls gähnende Leere. Lediglich in den Innenstädten machten sich die Menschen auf Schnäppchenjagd.

pad/dpa/ddp

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