Schock in Queens "Oh nein, nicht schon wieder!"
New York - An Bord des Airbus waren 246 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder - wie viele Menschen in dem beschaulichen Wohngebiet im Statdteil Queens ums Leben kamen, kann zunächst niemand sagen. Als der Airbus A-300 im Stadtteil Rockaway aufschlägt, geraten sechs oder sieben Wohnhäuser in Brand. "Das ganze Haus sprang in die Luft", sagt der 47 Jahre alte John Maroney, der nur wenige Häuserblocks von der Absturzstelle entfernt wohnt. Das habe ihn aus dem Bett geworfen. Das Triebwerk sei in eine Texaco-Tankstelle gestürzt und habe dort einen Brand Ausgelöst, sagt er "Wir waren sofort alle draußen mit unseren Feuerwehrlöschern, aber wir konnten nicht viel tun."
Der riesige Passagierjet war kurz nach 8.00 Uhr Ortszeit vom Flughafen John F. Kennedy in Richtung Dominikanische Republik gestartet - voll mit Urlaubsreisenden und Bewohnern der Karibikinsel auf dem Heimweg. In Santo Domingo versammelten sich Angehörige von Passagieren auf dem Flughafen. Norma Lilian Baloi wollte ihre Schwester und drei Neffen abholen. Sie weint fassungslos nach der Nachricht vom Absturz. "Acht Jahre habe ich sie nicht gesehen. Jetzt gibt es sie nicht mehr."
Schon wieder ein brennendes Trümmerfeld
In New York beginnt wieder die traurige Aufgabe, sich in einem brennenden Trümmerfeld um Tote und Verletzte zu kümmern. In einem Gymnasium und einer Grundschule, beide noch wegen des Feiertags für die Veteranen geschlossen, werden provisorische Hallen zur Versorgung von Verwundeten eingerichtet. "Wir sollten alle unsere Bemühungen darauf konzentrieren, Überlebende zu finden", sagt Bürgermeister Rudolph Giuliani.
Nur etwa 100 Meter vom Wohnhaus von Gus Cholakis krachte ein großes Flugzeugteil zu Boden. "Ich schaute aus dem Fenster und das erste, was ich sah, war ein riesiger Feuerball", erinnert sich Milena Owens, die zwei Häuserblocks von der Absturzstelle entfernt gerade dabei war, ihre Wohnung für das Erntedankfest zu schmücken. "Oh nein, nicht schon wieder!" dachte sie nur. Das beschauliche Wohnviertel Rockaway in Queens liegt ganz in der Nähe vom Flughafen John F. Kennedy - 24 Kilometer entfernt vom zerstörten World Trade Center in Manhattan.
Rockaway hatte sich kaum von den Wunden des 11. Septembers erholt
Die niedrigen Wohnhäuser haben hier alle einen kleinen Vorgarten, Bäume sorgen für zusätzliches Grün. Ganz in der Nähe gibt es ein Einkaufszentrum und eine katholische Kirche. Rockaway hatte sich kaum von den Wunden des 11. Septembers erholt - mehrere Bewohner der Siedlung waren in den Hochhaustürmen oder im Einsatz bei der Feuerwehr ums Leben gekommen. Sofort nach dem Absturz werden alle Flughäfen in New York vorrübergehend geschlossen - Kennedy, LaGuardia und Newark. Auch alle nach New York führenden Brücken und Tunnel wurden geschlossen, um die Rettungsarbeiten zu erleichtern. In Washington zieht sich US-Präsident George Bush mit seinen Beratern zurück und ließ sich über Einzelheiten des Absturzes unterrichten.
Von AP-Korrespondent Robert Tanner