Schüler attackiert Lehrerin "Der Zenit ist erreicht"
Berlin - Wie die Polizei mitteilte, versuchte der Schüler nach der Tat zu flüchten. Die 62-jährige Lehrerin des Robert-Koch-Gymnasiums im Bezirk Kreuzberg wurde im Gesicht verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. In der Hauptstadt hatte es in den letzten Wochen mehrfach Gewalttaten an Schulen gegeben.
Nach Polizeiangaben wollte die Lehrerin einen Streit zwischen einem Gymnasiasten sowie Schülern der benachbarten Lemgo-Grundschule schlichten, die alle den gleichen Schulhof benutzen. Sie sei von dem Gymnasiasten zur Hilfe gerufen worden. Daraufhin habe sie der Junge mit der Faust aufs Auge geschlagen. Die Lehrerin sei zu Boden gegangen.
Den Angaben zufolge ereignete sich die Tat am Vormittag. Die Lehrerin erlitt eine Platzwunde über dem linken Auge. Der Zwölfjährige wurde bei seinem Fluchtversuch von einem Schulrektor festgehalten und später seinem Vater übergeben.
Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) erklärte, die Tat zeige wieder einmal, "mit welchen Verrohungen sich Lehrerinnen und Lehrer an Berlins Schulen auseinander zu setzen haben". Er appellierte an das Bundesjustizministerium, "über die Möglichkeiten von erzieherischen Maßnahmen unterhalb der Entziehung der elterlichen Gewalt nachzudenken". Das bloße Einschalten des Jugendamtes greife zu spät. Es müsse möglich werden, Eltern durch ein Familiengericht zur Mithilfe zu zwingen.
Die schulpolitische Sprecherin der Berliner CDU-Fraktion, Katrin Schultze-Berndt, rief die Verantwortlichen dazu auf, die "Zeichen zunehmender Gewaltexzesse ernst zu nehmen und endlich angemessen darauf zu reagieren". Die Gewaltvorfälle an Berliner Schulen würden immer brutaler. "Der Zenit ist erreicht. Wir brauchen jetzt endlich Antworten auf die grassierende Jugend- und Schülergewalt in Deutschland und Berlin", forderte sie.
In der vergangenen Woche war eine 18-Jährige mit einer scharfen Schusswaffe in einer Realschule im Stadtteil Tiergarten aufgetaucht und anschließend festgenommen worden. Sie soll zuvor gedroht haben, ihre Lehrerin töten zu wollen.
Vergangenen Dienstag kam es laut Polizeiangaben in einer Schule in Weißensee zu einem Streit zwischen Schülerinnen um eine angeblich kaputte CD. Eine 15-Jährige schlug ihrer gleichaltrigen Mitschülerin mit der flachen Hand ins Gesicht, zog sie an den Haaren zu Boden und trat gegen ihre Beine. Daraufhin holte die Geschlagene ein Messer aus ihrer Schultasche und ging damit auf ihre Mitschülerin zu, die sich eine Schnittverletzung an der Hand zuzog.
In einer Schule in Tiergarten hatte im vergangenen Jahr ein 15-Jähriger seiner gleichaltrigen schwangeren Ex-Freundin in den Bauch getreten, weil er nicht Vater des Kindes werden wollte. In der Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln sorgte der Brandbrief des Lehrerkollegiums über die Gewalteskalation an der Schule für Schlagzeilen.
dab/AP