Schuh-Attentäter Wer baute die Bombe?
London - Die Bombe, die Reid kurz vor Weihnachten in seinem Turnschuh an Bord eines American-Airlines-Fluges von Paris nach Miami brachte, legt nach einhelliger Meinung von Experten ein großes Wissen über explosive Stoffe nahe. Ein Wissen, das viele Reid nicht zutrauen.
"Das hat ihm jemand beigebracht", zitiert das "Wall Street Journal Europe" einen französischen Ermittler. "Allein ist ihm das jedenfalls nicht eingefallen." Auch sein britischer Kollege Roger Davies früher im Einsatz gegen die IRA - geht davon aus, dass es wahrscheinlich Hintermänner gab. Die Bombe, so Davies gegenüber der Zeitung, erinnere an Sprengsätze, wie sie palästinensische Selbstmordattentäter verwenden.
Was die Ermittler offenbar stutzen lässt, ist die ausgefallene Sprengstoffmischung. Nach dem Bericht des "Wall Street Journal Europe" steht inzwischen fest, dass als Zünder der Bombe ein hochexplosives Gemisch namens TATP (Triaceton Triperoxid) diente. Um es zu starten, seien weder Kabel noch Batterien notwendig - was vor allem deshalb nahe liegend ist, als diese wahrscheinlich von den Metalldetektoren am Flughafen aufgespürt worden wären. Als eigentliche Bombe sei dann PETN eingesetzt worden.
Rätselraten um das Motiv
Weiter unklar bleibt der Hintergrund des Anschlags. Zunächst hieß es, Reid sei möglicherweise in Afghanistan ausgebildet worden. Festgenommene Al Quaida-Kämpfer hatten diese Vermutungen mit der Aussage gestützt, Reid aus einem afghanischen Ausbildungslager zu kennen. An dieser Version kamen jedoch schon bald Zweifel auf. Ermittler meinten, die Befragten könnten lügen, um ihr eigenes Strafmaß zu mindern.
Bestätigt ist, dass Reid im Londoner Stadteil Brixton zeitweilig die gleiche Moschee besuchte wie Zacarias Moussaoui, der in den USA wegen Mittäterschaft am 11. September angeklagt ist. Fest steht außerdem, dass Reid während der vergangenen sechs Monate viel unterwegs war. Die Ermittler fanden heraus, dass er wahrscheinlich nach Israel, Ägypten, Belgien, Frankreich und in die Niederlande reiste.
Reid sitzt derzeit noch in einem Untersuchungsgefängnis in Boston. Bislang wird gegen ihn wegen der "Einmischung in die Pflichten der Flugzeugbesatzung" ermittelt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar.