BILDUNG Schule 2.0
Es gibt Kinder in den USA, die kennen ihre Lehrer und Schulkameraden nicht persönlich. Die laufen morgens nicht zum Schulbus, sondern schlurfen im Schlafanzug zum Computer, starten die Lernsoftware und beginnen ihren Schultag. »Online-Schooling« nennt sich diese Form des modernen Unterrichts, statt eines Lehrers fragt ein Computerprogramm Vokabeln ab, in Geschichte müssen die Kinder per Mausklick Präsidentenköpfe in die richtige Reihenfolge bringen. Und irgendwo sitzt ein Lehrer vor seinem Computer und steht bei Problemen zum Chat bereit. Online-Schulen boomen in den USA, schon heute nehmen rund 90 000 Kinder diese Programme wahr. Sie wohnen entweder weit weg von normalen Schulen, oder ihren Eltern gefällt der Unterricht dort nicht. Jetzt sorgt die Internet-Bildung für Streit: Im Gegensatz zum traditionellen Heimunterricht sind Online-Schulen öffentlich und somit steuerfinanziert. Bis zu 6000 Dollar zahlen die Bundesstaaten pro Online-Schüler im Jahr, zu viel, sagen Kritiker. Denn ein Großteil geht an die Anbieter der Unterrichtssoftware und beschert denen erhebliche Gewinne.