"Schwarze Witwe"-Prozess Hilfsarbeiter gesteht vier Morde
Göttingen - "Ich war nicht ganz ich selbst", sagte der als Mordkomplize der "Schwarzen Witwe" angeklagte Siegmund S. vor dem Landgericht in Göttingen. Der 53 Jahre alte Hilfsarbeiter beschrieb Lydia L. am zweiten Verhandlungstag als derart dominant, dass er immer nachgegeben habe.
Die 68 Jahre alte Lydia L. habe ihn zu den Taten angestiftet, weil sie es nach seiner Aussage nur auf das Geld der ermordeten Männer abgesehen hatte. In allen Fällen soll sie die Opfer, die sie über Kontaktanzeigen kennenlernte, zunächst mit einer starken Dosis Beruhigungsmittel betäubt haben.
Detailliert berichtete S., wie er im April 1995 den 81-jährigen Paul G. und fünf Jahre später den 71 Jahre alten Gerhard G. mit einer Plastiktüte erstickte. Am ersten Prozesstag hatte er schon gestanden, 1994 den Rentner Günter Sch. und den fünften Ehemann der Witwe, Adolf B., getötet zu haben.
S. hatte einige Zeit im Hinterhaus des Anwesens der Witwe gewohnt und danach in einem separaten Haus in der Nähe. Ein sexuelles Verhältnis hatte er nach eigenen Worten allerdings nicht mit ihr. Sie hätten oft gestritten, sagte Siegmund S. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, was passiert wäre, wenn er sich ihr widersetzt hätte, antwortete er: "Das hätte Theater gegeben - aber derbe!"
Bei der Tötung von Gerhard G. habe die Witwe aktiv mitgeholfen, sagte der Angeklagte. "Ich hab' sie gerufen, da kam sie und hat ihn festgehalten", sagt er. "Ich habe ihn in seinem eigenen Garten begraben." Auf die Frage des Richters, warum er der Polizei erst im vorigen August von den Taten erzählte, sagte S., er habe sich schon lange mit dem Gedanken getragen. "Das hängt einem schon nach, wenn man so was macht. Ich will Ruhe haben in meinem Kopf", sagte er. "Ich kann jetzt viel besser schlafen als vorher."
Lydia L. bestreitet jegliche Beteiligung an den Verbrechen. In ihrer polizeilichen Vernehmung hatte die Frau erklärt, der Hilfsarbeiter habe die Taten allein und wohl aus Eifersucht begangen. Ihr Anwalt Klaus Kunze erklärte, vor einer gerichtlichen Aussage wolle sie zunächst die Angaben des Mitangeklagten abwarten. Sie soll durch die Morde und zwei Brandstiftungen ein Vermögen im Wert von mindestens 670.000 Euro an sich gebracht haben. Der Prozess geht am Montag weiter und ist bis Ende April terminiert.
dek/ddp/AP/dpa