Kupferkessel voller Münzen Angler findet Silberschatz neben Sommerhaus in Schweden
Anhänger, Ringe und viele, viele Münzen
Foto: Richard Grönwall, Uppdrag arkeologi / Länsstyrelsen StockholmHört sich an wie erfunden: Ein Mann macht Urlaub in einem schwedischen Sommerhaus, will angeln gehen und gräbt nach Würmern als Köder. Dabei stößt er auf etwas Hartes. Es glänzt. Es entpuppt sich als ein Schatz – und zwar als ein ziemlich alter. »Dies ist vermutlich einer der größten Silberfunde aus dem frühen Mittelalter, der jemals in Schweden gemacht wurde«, sagt die Stockholmer Archäologin Sofia Andersson.
Der Zufallsfund ereignete sich bereits Mitte August, doch die Behörden gaben bislang nicht alle Details an die Öffentlichkeit , um zu verhindern, dass Laien mit Schaufeln auf Schatzsuche gehen. Der Angler hatte seinen Fund den Behörden gemeldet, die Archäologinnen und Archäologen losschickten, um Fundort und Silberschatz zu sichern.
»Man kann es kaum glauben. Für Archäologen ist das eine einmalige Erfahrung«, sagt Andersson. Der Schatz bestand aus Perlen, Ringen, Anhängern – und rund 24.100 Silbermünzen. Sechs Kilogramm schwer, alles gelagert in einem Kupferkessel. Einige Münzen tragen die lateinische Inschrift »KANUTUS«, die latinisierte Form von »Knut« – vermutlich ist damit Knut Eriksson gemeint, der Schweden von 1173 bis 1196 regierte. »Die meisten Objekte sind gut erhalten, aber der Kupferkessel, in dem sie gefunden wurden, leider nicht«, erzählt Andersson.
Sogar Münzen mit arabischer Aufschrift
Manche Münzen haben auch deutsche oder sogar arabische Inschriften – und bezeugen damit die weitreichenden Handelsverbindungen auch nach dem Verschwinden der Wikinger . Zu dem Fund zählen zudem mehrere besonders seltene Exemplare, etwa sogenannte Bischofsmünzen, die unter kirchlicher Autorität geprägt wurden. Sie zeigen einen Bischof mit einem Krummstab in der rechten Hand – ein Detail, das sie von gewöhnlichen königlichen Münzen unterscheidet. Und das könnte noch nicht alles gewesen sein: Die Untersuchung des Fundes dauert an. »Es könnten Münzen dabei sein, die noch nie zuvor in Schweden gefunden wurden«, sagt Andersson.
Nachdem vor Ort keine weiteren Schätze entdeckt wurden, haben die Behörden den Fundort öffentlich gemacht: das Gelände von Schloss Hörningsholm, rund 50 Kilometer südwestlich von Stockholm. Es liegt im Schärengebiet an einer Wasserstraße, die im Mittelalter so wichtig war, dass sie mit Pfählen befestigt wurde, um Angriffe abzuwehren und den Schiffsverkehr zu kontrollieren.
Schweden im 12. Jahrhundert: Bürgerkrieg rivalisierender Kleinkönige
»Es ist ein wirklich spannender Ort mit Verbindungen zum Mittelalter. Nicht weit davon entfernt befinden sich auch Gräber und Runensteine aus der Eisenzeit«, sagt Sofia Andersson. Eine Rolle spielte vielleicht auch die allgemeine Unsicherheit: Knut Eriksson herrschte zwar über einen Großteil Schwedens, aber nach seinem Tod versank das Land in einem Bürgerkrieg rivalisierender Königreiche. Möglicherweise hat jemand seine Reichtümer versteckt – und wollte oder konnte sie dann nicht mehr bergen.
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Der Finder des Schatzes hat Anspruch auf einen Finderlohn, wobei noch unklar ist, wie hoch dieser sein wird. »Normalerweise geht es darum, dass jemand eine einzelne Münze findet und dafür etwa 500 Kronen erhält. Es ist schwer zu sagen, wie hoch der Gesamtwert dieses Fundes ist«, sagt Andersson.
Was nun mit dem Silberschatz passiert, wird noch verhandelt. Das Historische Museum und die Münzsammlung des Wirtschaftsmuseums haben Interesse angemeldet. Zunächst werden die Fundstücke jedoch konserviert und katalogisiert. Historikerinnen und Historiker erhoffen sich einen seltenen Einblick in Schwedens mittelalterliche Wirtschaft und Handwerkskunst und damit Erkenntnisse über Münzwesen, Handel und kirchlichen Einfluss im 12. Jahrhundert.