Schweiz Bestürzung nach der Bluttat
Zug - Nach dem Amoklauf eines 57-jährigen Mannes im Parlament des Kantons Zug werden in der Schweiz zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen in den Parlamentsgebäuden getroffen. Bei der Bluttat waren am Donnerstag 15 Menschen getötet und 15 verletzt worden. Bei den Toten handelt es sich um drei der sieben Mitglieder der Kantonsregierung sowie elf Abgeordnete des 80-köpfigen Parlaments. Von den Verletzten befand sich am Freitag nur noch einer in kritischem Zustand. Der Amokläufer hatte sich nach der Tat selbst getötet.
Die Bluttat hat in der Schweiz und in Europa Bestürzung und Trauer ausgelöst. Die Bevölkerung in Zug gedachte am Donnerstagabend mit einem Gottesdienst der Opfer. Am Bundesparlament in Bern wurden die Flaggen für drei Tage auf Halbmast gesetzt.
Der Präsident des Schweizer Parlaments, Peter Hess, sagte, es gebe ihm zu denken, dass für Menschen, die vom Volk gewählt sind, offenbar die Sicherheit nicht mehr gewährleistet sei. Der stellvertretende Generalsekretär der Bundesversammlung, Hans Peter Gerschwiler, teilte mit, dass schon ab Montag im Berner Parlament ein internationaler Sicherheitsstandard gelten werde - mit Ausweiskontrollen und Durchleuchtungen. Schon jetzt sind Polizisten postiert. Der Lausanner Strafrechtsprofessor Martin Killas fordert einen Beschluss, der Privatpersonen ausnahmslos den Besitz von automatischen Waffen verbietet. 450.000 Sturmgewehre befinden sich nach Angaben der Polizei im Besitz der Schweizer Haushalte. Jeder wehrpflichtige Schweizer muss seine Dienstwaffe zu Hause zusammen mit Munition bereithalten.
Die Diskussion um eine Änderung der Waffengesetze ist neu entflammt, nachdem die Boulevardzeitung "Blick" berichtete, der Amokläufer habe nie Wehrdienst geleistet. Der als Polizist getarnte 57 Jahre alte Friedrich Leibacher hatte mit einem Sturmgewehr der Armee und einer Pistole um sich geschossen.Zuvor hatte er in den Plenarsaal einen Sprengsatz geworfen.
Wut auf die Behörden das Tatmotiv
Der Amokläufer hinterließ einen Brief, in dem vom "Tag des Zorns für die Zuger Mafia" die Rede war. Der Mann hatte nach Polizeiangaben in den vergangenen zwei Jahren verschiedene Klagen gegen Zuger Politiker eingereicht, weil er sich in einem Streit mit Behörden ungerecht behandelt fühlte. Die letzten dieser Klagen wurden diese Woche vom Zuger Obergericht abgelehnt. Der Abgeordnete Robert Bisig sagte, offenbar gehe der Angriff auf einen Streit mit einem Busfahrer zurück. Der Mann habe nach diesem Streit einen Brief an eine Zeitung geschickt, in dem er die Angestellten der städtischen Verkehrsbetriebe beleidigt habe. Die Verkehrsbehörde habe daraufhin geklagt, worauf der Mann zahlreiche Briefe an Abgeordnete und Mitglieder des Bundeskabinetts geschrieben habe.