Schweiz Geisterzug tötet drei Menschen
Thun - Die Verantwortlichen hätten den Zusammenstoß in der vergangenen Nacht bewusst verursacht, nachdem der Bauzug nicht mehr gestoppt habe werden können, teilte der Sprecher der Betreibergesellschaft BLS Lötschbergbahn, Matthias Tromp, in Thun mit. Er bezeichnete diese Entscheidung als "zweckmäßige Lösung". Aus ungeklärten Gründen habe sich die Bahn bei Schotterarbeiten bei Blausee gelöst und nicht mehr gebremst werden können. Auf dem Bauzug befanden sich ein Lokführer und ein Schienentraktorführer der BLS sowie ein Mitarbeiter einer privaten Baufirma.
Sie lösten beim Stellwerk Spiez Alarm aus, sagte der BLS-Direktor weiter. In einer extremen Stresssituation wurde dort beschlossen, den Geisterzug auf die gerade Strecke in Richtung Dürrenast bei Thun zu lenken. Dort - rund 30 Kilometer von Blausee entfernt - befinden sich zurzeit zwei Baustellen der BLS, auf denen in der Nacht elf Arbeiter im Einsatz standen. Sie konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, bevor der Bauzug um etwa 3.20 Uhr auf zwei stehende Materialwagen aufprallte. Der Bauzug entgleiste dabei nicht, wie Tromp sagte. Er fuhr aber noch rund 200 Meter weiter. Trotz Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Sanitäter sei für die drei Männer auf dem Zug jede Hilfe zu spät gekommen. Zwei von ihnen versuchten möglicherweise, im letzten Moment vom Zug zu springen.
Bei den Opfern handelt es sich um zwei Schweizer und um einen in Deutschland wohnhaft gewesenen Mann. Sie waren alle Familienväter. Tromp und BLS-Verwaltungsratspräsident Hans Lauri zeigten sich bestürzt über das tragische Unglück und sprachen den Angehörigen ihr tief empfundenes Beileid aus.
Zweites Unglück in drei Wochen
Die Bahnstrecke Thun - Spiez blieb nach dem Unglück bis auf weiteres unterbrochen. Die internationalen Züge auf der Lötschbergstrecke wurden umgeleitet und erhielten rund eine Stunde Verspätung.
Es handelt sich um das zweite Unglück der BLS innerhalb von drei Wochen. In der Nähe des jetzigen Unglücksorts waren am vergangenen 28. April beim Bahnhof Thun ein ICE der Deutschen Bahn und eine BLS-Doppellok zusammengestoßen. Acht Menschen wurden leicht verletzt. Die Ursache war menschliches Versagen: Der BLS-Lokführer hatte ein "Halt"-Signal zu spät bemerkt.
Mehr Opfer forderte ein Bahnunglück in der Schweiz letztmals im Jahre 1994. Am 21. März schlitzte der Ausleger eines Schienenkrans bei Däniken einen Schnellzug seitlich auf, neun Bahngäste kamen ums Leben.
dab/AP