Schweiz Knochenfund im Gotthard-Tunnel
Airolo - Die eigentlichen Bergungsarbeiten blieben unterbrochen. Weiterhin wird die Luft und die Asche auf giftige Partikel geprüft. Inzwischen wurde bekannt, dass der Lastwagen, der vermutlich das Unglück auslöste, ohne Genehmigung fuhr. Der türkische Fahrer, der für die EU keine Arbeitserlaubnis hatte, wird noch vermisst. Bei den Knochen handelt es sich vermutlich nicht um seine Überreste. Sie wurden von Spezialisten entdeckt, die in Schutzkleidung Luft- und Staubproben in dem Tunnel sammeln.
Weiter sei nicht ausgeschlossen, dass verbrannte Ladung Giftstoffe freigesetzt hat, sagte der Sprecher der Tessiner Kantonspolizei in Bellinzona, Mario Ritter. Die Untersuchungen in dem 250 Meter langen Tunnelstück sind auf etwa 20 Tage angesetzt.
Neun der elf Opfer seien identifiziert und zum Teil schon für die Angehörigen freigegeben worden, sagte Ritter. Gesucht wird noch nach dem 45 Jahre alten türkischen Fahrer. Berichte, nach denen er geflüchtet sein soll, wurden als Spekulation bezeichnet.
Das nun gefundene Opfer könnte ein Paraguayer sein, der bei einem italienischen Transportunternehmen angestellt war. Vermisst gemeldet sind noch um die 20 Menschen. Sie sind aber nach Ansicht der Behörden nicht im Tunnel.
Der Unfall-Fahrer besaß laut dem Internationalen Transportverbandes IRU nur ein für drei Monate gültiges Touristenvisum für Belgien. Seine Beschäftigung sei illegal gewesen. An seinem Fahrzeug platzte vermutlich ein Reifen, bevor er auf die Gegenfahrbahn schleuderte und frontal mit einem anderen Lastwagen zusammenprallte. Der Lastwagen fuhr nach Informationen des IRU in Genf ohne Genehmigung. Der IRU beruft sich auf den belgischen Mitgliedsverband Febetra. Das erst Ende August gegründete Transportunternehmen Gul Transports habe zwar die Betriebsbewilligungen beantragt. Diese seien jedoch bisher nicht erteilt worden.
Dauerstau auf Schweizer Autobahnen
Trotz Dauerstaus auf den Autobahnen nach der Sperrung des Gotthard-Tunnels Sperrung ist die Bahnkapazität an vielen Verladestellen in der Schweiz nicht ausgelastet. Der Chef des Schweizer Bundesamtes für Verkehr, Max Friedli, schließt eine Kontingentierung des Schwerverkehrs über die Schweizer Alpenpässe nicht mehr aus. Verderbliche Lebensmittel könnte man beim Transport mit Vorrang behandeln, schlug Friedli in der "Neuen Zürcher Zeitung" vor. Solche Maßnahmen müssten allerdings mit der EU abgesprochen werden.