Schweizer Diplomatie Borer geht und tritt nach
Bern - In einer am Wochenende veröffentlichten Mitteilung erklärt Borer, dass er künftig in der freien Wirtschaft arbeiten will. Gleichzeitig warf er dem Außenministerium einen "Mangel an Unterstützung und Loyalität" vor.
"Nach reiflicher Überlegung und mit großem Bedauern habe ich mich entschieden, dass ich unter den gegebenen Umständen meinem Ministerium auch nicht in anderer Funktion dienen kann", schrieb Borer, der nach einer Reihe von Skandalgeschichten vor gut zwei Wochen vom Schweizer Außenminister Joseph Deiss abberufen worden war. Zusammen mit seiner Frau werde er in eine Villa nach Potsdam umziehen und eine "strategische Tätigkeit im Dreieck Deutschland-Schweiz-USA" planen.
Er wolle aber weiter den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zirkel pflegen, den er in Berlin aufgebaut habe, schrieb Borer. Seine Frau Shawne werde ihre wohltätige Arbeit als Botschafterin für die SOS-Kinderdörfer fortsetzen und auch weiterhin für die Schweizer Landesausstellung Expo.02 wirken.
Nach einer von einer Schweizer Boulevardzeitung beschriebenen angeblichen Affäre mit einer Berliner Visagistin folgte die Abberufung. Unter den gegebenen Umständen sei er als Missionschef nicht mehr tragbar, begründete Außenminister Deiss.
In einem Interview der "Bild am Sonntag" kritisierte der künftige Unternehmensberater Borer diese Entscheidung scharf. Er sei Opfer einer durchsichtigen Diffamierungskampagne von Schweizer Boulevardmedien geworden. "Bei der Bewältigung der Angelegenheit war die Unterstützung durch mein Außenministerium ungenügend und zweifelhaft", sagte er dem Bericht zufolge. Er habe die notwendige Rückendeckung vermisst.
Deiss muss Medienberichten zufolge am Montag in der außenpolitischen Kommission des Parlamentes zu den Umständen der Abberufung Borers Rede und Antwort stehen. Nach einem Bericht der "SonntagsZeitung" wollen Abgeordnete der Schweizerischen Volkspartei (SVP) wissen, warum das Außenministerium Borer nicht vorab über "bevorstehende Schmuddelberichte" informiert habe und ob es beim "Sturz des Botschafters" eine Zusammenarbeit mit dem Zeitungsverlag gegeben habe, der die Affäre ins Rollen gebracht hatte. Der künftige Botschafter Baumann sagte in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Focus", auch er sei ein geselliger Mensch. "Ich freue mich auf diese für die Schweiz so wichtige Botschaft, auf die tolle Stadt Berlin, auf das kulturelle Leben", erklärte Baumann. Seine Gattin Susanna habe nicht nur dieselben Initialen wie Borers Frau Shawne, sondern sei auch blond.