Schwere Regenfälle: Ausnahmezustand in Berlin - DER SPIEGEL
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Schwere Regenfälle Ausnahmezustand in Berlin

Die Berliner Feuerwehr hat am Mittwochabend den Ausnahmezustand erklärt. Auch in der Mitte Europas regnet es weiter: In Österreich lösten die Wassermassen Hochwasseralarm aus.
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Berlin - In mehreren Teilen der Hauptstadt wurden in nur 48 Minuten rund 45 Liter pro Quadratmeter gemessen, teilte der Wetterdienst Meteomedia mit. Auch in Brandenburg fielen stellenweise pro Stunde bis zu 11,9 Liter Regen pro Quadratmeter, teilte der Deutsche Wetterdienst in Potsdam mit. Die Feuerwehren waren vielerorts im Großeinsatz, um Keller leer zu pumpen oder Straßen frei zu räumen. Ein Sprecher des Berliner Lagedienstes sagte: "Es ist aber keine Katastrophe. Wir haben alles gut im Griff."

Betroffen waren in der Hauptstadt unter anderem die Stadtteile Tempelhof, Lichterfelde, Wannsee, Mariendorf und Teile von Steglitz. In Marienfelde gab es nach Angaben von Meteomedia innerhalb von 36 Minuten noch 13,7 (insgesamt 16,9) Liter, während es in andere Stadtteilen kaum regnete.

Die Feuerwehr hatte gegen 18 Uhr etwa 600 freiwillige Kollegen in den Einsatz gerufen und damit ihre Mannschaftsstärke verdoppelt. Es seien etwa 200 Einsatzstellen aus dem Stadtbereich gemeldet worden, sagte ein Sprecher.

Die Regenfront hatte die Region Berlin-Brandenburg innerhalb von wenigen Stunden von Ost nach West überquert. Zuvor war ein breites Regenband über die Mitte Europas hinweggezogen - es brachte die schlimmsten Regenfälle seit Jahren. Die Unwetter führten vor allem in Bayern, Österreich und Italien zum Teil zu chaotischen Verhältnissen. In Norditalien war die Lage besonders angespannt. Italienische Medien sprachen von den heftigsten Regenfällen im Sommer seit 40 Jahren.

In Süd- und Ostbayern fielen von Dienstagnachmittag bis Mittwochmorgen erhebliche Regenmengen. Bei Bischofswiesen in Berchtesgadener Land wurde binnen zwölf Stunden ein Niederschlag von 131 Litern pro Quadratmeter gemessen, berichtete der Deutsche Wetterdienst am Mittwoch in München. Meteorologin Eva Wille sagte: "Bildlich gesprochen bedeutet dies, dass auf einer Fläche von einem mal einem Meter das Wasser 13,1 Zentimeter hoch stünde, wenn es nicht ablaufen würde. Das ist schon der Hammer." Auffällig sei die Häufung starker Unwetter in Bayern im August.

Am Donnerstagmorgen floss das Hochwasser langsam ab. Die Wasserstände von Donau, Inn und Salzach gingen allmählich zurück, teilte die Polizei mit. Zahlreiche Straßensperrungen konnten wieder aufgehoben werden.

Wegen Dauerregens mussten auch in Österreich zahlreiche Feuerwehren zu Großeinsätzen ausrücken. Allein in Salzburg, wo innerhalb von 20 Stunden so viel Regen fiel wie sonst im gesamten August, griffen die Feuerwehren rund 170-mal ein, um überflutete Keller auszupumpen und Straßen von Schlamm und Erde zu säubern.

In den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich hat der Dauerregen Hochwasseralarm ausgelöst. Kritisch ist die Lage im Waldviertel nordwestlich von Wien, wo sich einige Menschen nur auf Bäumen und Hausdächern vor den Fluten in Sicherheit bringen konnten. Erwin Pröll, Landeshauptmann dieses Bundeslandes, sprach am Donnerstagmorgen von den schlimmsten Überflutungen seit Menschengedenken. Da eine wichtige Bundesstraße von den Wassermassen weggerissen wurde, konnten die Feuerwehren im Bereich der Stadt Krems nur mit Booten zu den eingeschlossenen Menschen vordringen.

An der kroatischen Adriaküste um Sibenik tobten orkanartige Winde mit einer Geschwindigkeit von bis zu 110 Stundenkilometern. Der Sturm riss zahlreiche Boote aus den Ankerstellen, und zerstörte viele Dächer. Die Böen beschädigten auch Stromleitungen.

In Spanien haben die starken Regenfälle der vergangenen Woche im Nordosten des Landes Unmengen von Abfall ins Meer geschwemmt. Mancherorts - wie etwa bei Barcelona - wurde das Baden verboten und die rote Flagge gehisst.