Waldbände in Griechenland: Die Flammen nähern sich Athen
Schwere Waldbrände Vorort Athens muss evakuiert werden
Athen - Flammeninferno nördlich von Athen: Ein unkontrolliert wütender Waldbrand hat am Sonntag einen Vorort der griechischen Hauptstadt erfasst. Die Behörden ordneten die sofortige Evakuierung aller 10.000 Einwohner von Agios Stefanos an. Im nördlichen Waldgürtel von Athen war bereits am Samstag der Notstand ausgerufen worden, nachdem starke Böen die Flammen angefacht hatten. Trotz des Einsatzes von Löschflugzeugen brachte die Feuerwehr den Brand nicht unter Kontrolle, der sich auf ein mehr als 40 Kilometer breites Gebiet vorfraß.
Die Polizei rief die Bevölkerung um 13.30 Uhr Ortszeit in Lautsprecherdurchsagen auf, Agios Stefanos über die Hauptstraße Richtung Athen sofort zu verlassen. Einige Einwohner versuchten verzweifelt, ihre Häuser vor den Flammen zu retten. Manche hatten im Kampf gegen den Waldbrand nichts anderes als Baumzweige, mit denen sie auf die Flammen einschlugen. Auf Fernsehbildern waren die hoffnungslosen Löschversuche von Flugzeugen aus zu sehen: Schon nach wenigen Augenblicken züngelten die Flammen wieder in die Höhe. Manche Einwohner flüchteten sogar zu Fuß, und bis zum frühen Nachmittag war der Ort 20 Kilometer vor Athen fast verlassen. Nur einige Freiwillige unterstützen die Feuerwehr. In den Straßen waren ausgebrannte Fahrzeuge und verkohlte Wasserschläuche zu sehen.
Betteln um Verstärkung
Der stellvertretende Bürgermeister Panayiotis Bitakos erklärte, er habe schon Stunden zuvor um Verstärkung im Kampf gegen die Flammen gebeten. "Wir haben seit dem frühen Morgen die Behörden angebettelt, Verstärkung zu schicken. Jetzt ist es zu spät. Zu spät", sagte er im Fernsehsender Skai.
Insgesamt zählte die Feuerwehr am Wochenende 83 verschiedene Brände. Betroffen sind auch Regionen im Süden des Landes sowie die Inseln Evia, Skyros und Zakynthos. Im Fernsehen baten Einwohner aus verschiedenen Regionen um Hilfe gegen die Flammen. Der Brand habe sich bis auf 40 Meter an sein Haus herangefressen, und er habe kein Wasser zum Löschen zur Verfügung, sagte ein Einwohner aus Drossia im Sender Mega.
"Die Lage ist tragisch", sagte der Athener Gouverneur Yiannis Sgouros am Sonntagmorgen. "Athen hatte eine Grünfläche, die jetzt weg ist." 12.000 Hektar Wald und Buchland seien verbrannt. Es ist der größte Waldbrand seit der Katastrophe von 2007, bei der 70 Menschen umkamen. Ein Feuerwehrsprecher sagte, es seien 14 Löschflugzeuge und neun Hubschrauber im Einsatz.
Auf Bitten Griechenlands schickten Italien und Frankreich vier Löschflugzeuge zur Verstärkung. Die zwei italienischen Maschinen kamen bereits am Sonntagmittag zum Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in Athen mit. Zypern schickte 60 Feuerwehrleute und einen Löschhubschrauber. Freiwillige und Rekruten der Streitkräfte verstärkten den Einsatz. "Die Feuerwehrleute sehen sich mit äußerst schwierigen Umständen konfrontiert", sagte Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis. "Unsere Priorität ist der Schutz von Menschenleben und Eigentum."
Marathon und Rhamnus bedroht
Die Behörden evakuierten zwei Kinderkliniken, Campingplätze und mehrere Wohnhäuser. In einer Kaserne der Streitkräfte nördlich von Athen wurden Flugabwehrraketen in Sicherheit gebracht. Bedroht waren auch mehrere Dörfer bei Marathon, dem antiken Ursprung des Marathonlaufs. Die Flammen näherten sich zudem der antiken Ausgrabungsstätte Rhamnus mit zwei 2500 Jahre alten Tempeln. Wegen der Waldbrände wurden auch zwei Fußballspiele der griechischen Ersten Liga verschoben.
Wegen der hohen Temperaturen von rund 40 Grad und starken Sommerwinden wird Griechenland immer wieder von schweren Waldbränden heimgesucht. 2007 kamen bei einer Reihe von Waldbränden 77 Menschen ums Leben, Tausende Hektar Wald wurden zerstört.
Auch im Norden Portugals wüteten mehrere Brände, unter anderem in der Nähe der Hauptstadt Lissabon gab es eine Feuersbrunst. Am Samstagabend brachten in Quinta da Paiva mehr als 160 Feuerwehrleute mit 32 Fahrzeugen und vier Löschflugzeugen das größte Feuer unter Kontrolle. Seit Anfang des Jahres wurden in Portugal fast 24.000 Hektar Land durch Brände zerstört - 7000 Hektar mehr als im gesamten vergangenen Jahr.