Lilou Valero / WITTERS
Einfach lässt Gabriel Medina aussehen, was selbst für geübte Wellenreiter lebensgefährlich sein kann. Mit einem spektakulären Absprung auf dem Wellenkamm und einer Jubelgeste gen Himmel vollendet der Brasilianer bei den Surfwettbewerben der Olympischen Spiele vor Teahupo’o auf der französisch-polynesischen Südseeinsel Tahiti einen nahezu perfekten Ritt. Er bringt ihm mit 9,90 von 10 Punkten die beste jemals vergebene Wertung in der noch jungen olympischen Disziplin ein. Zuvor war Medina durch die Röhre im Innern einer brechenden Welle gebrettert, während im Wasser unter ihm das scharfkantige Korallenriff bedrohlich schimmerte. Der schwebende Surfer beschert den Spielen bereits kurz nach dem Start einen ihrer prägendsten Augenblicke – und das rund 16.000 Kilometer von den Hauptaustragungsorten in Paris entfernt. »Alles vermag ich durch den, der mich stärkt«, erklärt Medina seinen Fingerzeig nach ganz oben später – ein Zitat aus dem Neuen Testament. Nun ja: fast alles. Der 30-Jährige holt im weiteren Verlauf der Wettkämpfe Bronze in seiner Disziplin. Die Goldmedaille geht an den auf Tahiti aufgewachsenen Franzosen Kauli Vaast.