Schweres Erdbeben: Iraner befürchten Tausende Tote - DER SPIEGEL
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Schweres Erdbeben Iraner befürchten Tausende Tote

Bei dem starken Erdbeben im Südosten von Iran sind heute Morgen bislang knapp 400 Tote geborgen worden. Einwohner der betroffenen Region sprechen dagegen von mehreren Tausend Toten, die dem Erdbeben zu Opfer gefallen seien. Die Ausmaße des verheerenden Bebens von Bam Ende 2003 scheint die neue Katastrophe aber nicht zu besitzen.
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Sarand - Das Erdbeben der Stärke überraschte viele Bewohner der Region noch im Schlaf: Um 5.55 Uhr trafen die Erdstöße der Stärke 6,4 die Provinz Kerman im Süden Irans, machten mehrere Ortschaften dem Boden gleich, töteten Hunderte Menschen und verletzten zahllose weitere. "Die Opferzahlen liegen jetzt bei 377 Toten und mehr als 1000 Verletzten", sagte ein Sprecher des Gouverneurs der Provinz Kerman der Nachrichtenagentur Reuters. Das Innenministerium in Teheran sprach zu diesem Zeitpunkt noch von 190 offiziell bestätigten Toten.

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Erdbeben in Iran: "Wer geschlafen hat, ist tot"

Foto: AP/ IRINN TV

Das Epizentrum des Bebens lag in der Stadt Sarand rund 700 Kilometer südöstlich von Teheran und 250 Kilometer von Bam entfernt, wo vor gut einem Jahr mehr als 31.000 Menschen bei einem Beben starben. Die Rettungsarbeiten liefen zunächst nur schleppend an: Mit bloßen Händen arbeiteten sich Bewohner durch die Trümmer. Dem Gouverneur der Provinz, Mohammed Ali Karimi, zufolge lebten rund 30.000 Menschen in dem vom Beben betroffenen Gebiet. "Diese Dörfer liegen zumeist in gebirgigen Gegenden, und wegen des Regens gab es in den frühen Phasen der Hilfsarbeiten Schwierigkeiten", sagte er. Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte, das schlechte Wetter habe den Start von Hubschraubern für den Hilfseinsatz verhindert. Die Krankenhäuser in Sarand waren voll belegt. Trotz des Regens strömten die Menschen aus Angst vor Nachbeben nach draußen. Im staatlichen Fernsehen waren von der Katastrophe Traumatisierte zu sehen, die sich aus Trauer immer wieder ins Gesicht schlugen. Kari Egge vom UN-Kinderhilfswerk Unicef sagte im Fernsehsender CNN aus Dahune, insgesamt seien 13 Dörfer in unterschiedlichem Ausmaß von dem Beben betroffen. In Dahune selbst - rund 20 Kilometer von Sarand entfernt - sei kaum etwas von den Gebäuden übrig. Egge schätzte, in dem Dorf mit seinen etwa 1500 Einwohnern seien rund 200 Menschen gestorben. Die Überlebenden müssten vor Einbruch der Dunkelheit in benachbarte Städte oder Dörfer gehen, um Schutz vor der Kälte zu finden.

Berichten zufolge ist Dahune eines von mindestens fünf Dörfern, die von dem Beben am frühen Dienstagmorgen völlig zerstört wurden. "Die Menschen, die noch geschlafen haben, sind wahrscheinlich alle tot. Wer schon aufgestanden war für die Morgengebete, hat überlebt", sagte ein Mitglied der Rettungskräfte. Die Schätzungen über die möglichen Opfer gehen jedoch weit auseinander: Während die Einwohner Dahuyehs von mehreren tausend Toten ausgehen, spricht die Polizei bislang von einigen hundert Toten und mehreren hundert Verletzten. "Manchmal werden Leichen zwei Mal gezählt, das führt dann zu widersprüchlichen Zahlen", erklärte ein Angestellter einer örtlichen Behörde. "Bedenkt man allerdings die Einwohnerzahl und die Schäden, könnte es sein, dass die Schätzungen der Bewohner vielleicht nicht falsch sind."

Die Einwohner Dahunes graben in den Ruinen der zumeist einfachen Lehmhäuser, die nach Einschätzung der Rettungskräfte auch durch ein Erdbeben geringerer Stärke eingestürzt wären. Der Räumeinsatz der Menschen wird aber immer wieder von professionellen Helfern unterbunden. "Sie treffen mit ihren Schaufeln vielleicht die Köpfe der Opfer unter den Trümmern", sagte einer der Männer aus einer Rettungsmannschaft.

Der iranische Rote Halbmond verteilte Nahrungsmittel, Zelte und Decken an die Überlebenden. "Man hat uns gesagt, dass keine internationalen Rettungsmannschaften benötigt werden. Alles ist unter Kontrolle, die Größe des Bebens ist überschaubar", sagte Mostafa Mohaghegh vom Internationalen Roten Kreuz in Genf. "Das sind ländliche Gebiete mit einstöckigen Gebäuden, so dass es kein sehr komplizierter Einsatz ist." Staatlichen Angaben zufolge sollen die Zerstörungen diesmal nicht so stark sein wie durch das Beben vom Dezember 2003. Bei den Erdstößen der Stärke 6,6 war die Stadt Bam zum großen Teil zerstört worden. 26.000 Menschen hatten damals ihr Leben verloren. Nach Schätzungen von Forschern der US Geological Survey könnte das Beben dieses Mal weniger verheerend ausgefallen sein, weil es sich wesenlich flacher unter der Erdoberfläche ereignete. Nach Angaben der Wissenschaftler lag das Hypozentrum des Bebens in 42 Metern Tiefe, während die Erde im Dezember 2003 in Bam zehn Kilometer tiefer und zudem stärker gebebt habe. Vielen Betroffenen ist zudem wahrscheinlich zugute gekommen, dass der iranische Katastrophendienst nach Bam besser auf ähnliche Unglücke vorbereitet ist.

Eine Gemeinsamkeit haben zum zerstörten Bam könnte den Bewohnern der Provinz Kerman allerdings zum Verhängnis geworden sein: die Bauweise ihrer Häuser. "Schwere Dächer gegen die Hitzeeinwirkung, schwache Wände, da stürzt alles wie ein Kartenhaus zusammen», sagte der Landeskoordinator der Malteser in Iran, Peter Staudacher. Er wollte noch am heute in die jetzt betroffene Region reisen. "Wenn die Bewohner im Schlaf überrascht werden und das Haus über ihnen zusammenbricht, bleibt kaum eine Überlebenschance", stellte er fest. Die Rettungshundestaffel sei in Alarmbereitschaft, hieß es von der Hilfsorganisation in Köln. Offizielle Hilfsanfragen der iranischen Regierung lägen jedoch noch nicht vor.