Schwerhörigkeit Helmut Schmidt fast taub
Hamburg - "Es ist ein großer Schmerz meines Alters, dass ich nach weitgehendem Verlust meines Gehörs Musik nicht mehr vernehmen kann", sagte Schmidt bei einer Ansprache zum Festkonzert der Deutschen Nationalstiftung. Dann verließ er die Kirche.
Gerade für Schmidt, der schon seit früher Jugend leidenschaftlich Klavier spielt und ein ausgesprochener Beethoven-Fan ist, ist seine zunehmende Taubheit ein schwerer Schlag. Grund ist offenbar ein so genanntes Knalltrauma aus Kriegstagen. Nachdem der Altkanzler 1999 dann noch einen Hörsturz auf dem linken Ohr erlitt, ist sein Innenohr nachhaltig geschädigt. "Seitdem höre ich alles nur wie gedämmt, werden die Geräusche zu leise oder zu schnell, kommt die 'Festplatte' im Kopf nicht mit", sagte Schmidt der "Bild"-Zeitung.
Zwar empfindet Schmidt vielstimmige Orchestermusik nur noch als lärmende Geräuschkulisse, aber selbst mit dem Klavierspiel aufzuhören kommt für ihn offenbar nicht in Frage. Nach wie vor spielt er zu Hause für sich und seine Ehefrau Loki, 84. "Ein Instrument allein kann er hören", sagt ein Vertrauter, "aber mehrere Stimmen oder Instrumente zur gleichen Zeit - das erträgt er nicht mehr."
Star-Pianist Justus Frantz, der eng mit Schmidt befreundet ist und bereits eine CD mit Bachinterpretationen mit ihm einspielte, sprach dem SPD-Politiker sein Mitleid aus: "Es ist eine Tragödie für einen so wunderbaren Musiker und musisch gebildeten Menschen. Es tut mir schrecklich leid."