Schwester unter Verdacht Überdosen Morphium verabreicht
Straubing - Polizei und Staatsanwaltschaft teilten heute mit, dass die stellvertretende Stationsschwester gestanden hat, in mindestens zwei Fällen von der Ärzteverordnung abgewichen zu sein und Morphium in Überdosen gespritzt zu haben. Laut Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Fiedler steht die Frau im Verdacht, für den Tod von drei weiblichen und vier männlichen Patienten des Klinikums St. Elisabeth im Alter zwischen 58 und 94 Jahren verantwortlich zu sein. "Die Fälle liegen zwischen dem zweiten Halbjahr 2004 und April dieses Jahres", sagte Fiedler. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, "dass auch davor etwas war".
Die Frau war am Montag festgenommen worden, nachdem bei internen Kontrollen des Krankenhauses festgestellt wurde, dass an schwer kranke Patienten mehr Morphium als ärztlich angeordnet verabreicht worden war. "Sie hat gesagt, sie wollte das Leiden der Patienten lindern", erklärte Fiedler. Eine Tötungsabsicht habe die Pflegerin, die seit mehr als 20 Jahren in der Straubinger Klinik St. Elisabeth beschäftigt ist, aber bestritten.
Die Krankenhausleitung hatte Verdacht geschöpft, als sich Mitte April der Sohn eines im Krankenhaus gestorbenen 80-Jährigen beschwerte, dass die Schmerzmittelpumpe bei seinem toten Vater noch eingeschaltet war. Daraufhin startete das Krankenhaus eine umfangreiche Überprüfung. Die Frau hatte als stellvertretende Stationsleiterin Zugriff zu den Schmerzmitteln. In den Büchern des Krankenhauses hatte sie jede Entnahme des Morphiums korrekt dokumentiert. Die Menge der über die Verschreibung der Mediziner hinaus entnommenen Ampullen sei nicht auffällig gewesen, erklärte die Geschäftsführerin des St.-Elisabeth- Klinikums, Maria Stelzl.
Bei den schwer kranken Patienten soll die Frau dann die vollautomatische Medikamentenpumpe manipuliert haben. Dadurch bekamen die Kranken größere Mengen Morphium injiziert als geplant. Eine einzige Ampulle kann nach Angaben der Klinik bei zu schneller Gabe tödlich wirken. Die 48-Jährige ist in den vergangenen Jahrzehnten nie aufgefallen. Sie gilt als sehr qualifiziert.
Unterdessen wird über einen 26-jährigen Krankenpfleger, der in Sonthofen 29 Patienten umgebracht haben soll, ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Danach werde entschieden, ob Anklage erhoben oder die Unterbringung in der Psychiatrie beantragt werde, teilte die Staatsanwaltschaft Kempten mit. Der Krankenpfleger hat 16 Tötungen gestanden. 13 weitere Fälle wurden durch toxikologische Gutachten nachgewiesen.