Endlich Schwimmen lernen! So lange mussten sie darauf warten. Wir sind im St.-Pauli-Bad in Hamburg. Elf Kinder zwischen fünf und acht Jahren trauen sich ins Wasser und hören gespannt auf ihren Schwimmlehrer. Wie lernt man eigentlich schwimmen?
Bernd Kröger-Preuß, Schwimmlehrer »Bäderland Hamburg«
»Spielerisch! Einfach durch ganz viele Elemente aus der Kinderwelt. Am Anfang habe ich die Musikinstrumente gemacht. Jetzt rede ich von Schaufeln, von Pauke spielen mit den Beinen. Also einfach vielfältige Bewegungen, die die Kinder von Haus aus schon kennen, die einfach ins Wasser übernehmen. Weil Bekanntes können die Kinder angstfrei umsetzen.«
Auch wenn das mit dem Schwimmen erst einmal nichts zu tun hat – eine der Lieblingsübungen von Kröger-Preuß dreht sich um Bäume. Die sollen die Kinder nachmachen und dann eintauchen. Sinn dabei ist, auf diese Weise die Angst oder Scheu vor dem Wasser zu verlieren.
Bernd Kröger-Preuß, Schwimmlehrer
»An Land geht alles einfach. Aber im Wasser, ein anderes Element, ist das ein anderes Körpergefühl. Und da muss ich bei jedem Kind darauf achten, ob das Kind dieses Gefühl auch wirklich umsetzen kann im Wasser.«
Die Kinder im St.-Pauli-Bad haben ihren Spaß. Sie werden in den nächsten gut zehn Wochen das Schwimmen und Tauchen üben. Was gefällt Ihnen denn am besten?
Lena, 7 Jahre
»Alles, aber Rutschen am meisten.«
Liv, 7 Jahre
»Na ja, er ist halt nett und wir machen auch tolle Übungen mit ihm.«
Frage
»Warum willst du denn Schwimmen lernen?«
Kim, 5 Jahre
»Weil ich dann vom Meterbrett springen kann. Ich möchte dann eine Arschbombe runtermachen.«
Das Ziel der Kinder: Ihr Seepferdchen machen. 1,5 Millionen in Deutschland konnten das im vergangenen Jahr während der Pandemie nicht. Wie kann man das wieder aufholen?
Bernd Kröger-Preuß, Schwimmlehrer
»Wenn ein Kind ein Jahr mangelnde Bewegung hatte, dann müssten die Eltern, und das sind ja nun die Nächsten, die es machen können und bereitstellen können, mit den Kindern das Dreifache an Bewegung nachholen, was vorher nicht da war. Und das ist in der heutigen Zeit für Eltern kaum machbar.«
Deshalb muss nach Meinung von Kröger-Preuß das Problem systematisch angegangen werden.
Bernd Kröger-Preuß, Schwimmlehrer
»Da sind die Vereine gefragt, die Institutionen und die Politik.«
Aus der Kinder- und Jugendpsychologie weiß man, dass ohnehin 80 Prozent der Kinder nicht das von der Weltgesundheitsbehörde WHO empfohlene Mindestmaß an Bewegung erreichen. 60 Prozent der Kinder in Deutschland waren nach Angaben der DLRG nach der Grundschule nicht sicher im Wasser. Das heißt: Sie erfüllten die Anforderung für ein Bronze-Schwimmabzeichen nicht. Hinzukommt, dass es viel zu wenig Möglichkeiten gibt, Schwimmen zu lernen. Kommunen sparen, Schwimmbäder werden geschlossen.
Bernd Kröger-Preuß, Schwimmlehrer
»Es gab schon immer große Wartelisten. Jetzt kommt noch ein ganzer Jahrgang obendrauf. Die Wartelisten werden länger. Wir müssen uns einfach Gedanken machen, wie wir einfach mehr Zeiten zur Verfügung stellen, um Kurse anzubieten.«
Der städtische Schwimmbadbetreiber »Bäderland« wird in den Sommermonaten in Hamburg das Angebot vervierfachen. Also auf etwa 300 Schwimmkurse bis Ende August. Dafür wird der öffentliche Badebetrieb eingeschränkt.
Bernd Kröger-Preuß Schwimmlehrer
»Ich bin da guter Dinge. Ich glaube, dass wir das irgendwie hinbekommen die nächsten Jahre. Aber es ist natürlich erst einmal so, dass diese Kinder jetzt per se noch nicht schwimmen können.«
Besonders die Eltern sind erleichtert, dass ihre Kinder endlich schwimmen lernen.
Mutter
»Ich habe gar nicht lange darüber nachgedacht, Das gehört irgendwie dazu, dass das Kind schwimmen lernt.«
Mutter
»Weil wir viel am Meer sind, viel am Wasser Urlaub machen und auch gern mal Kanufahren. Man kann seine Augen nicht überall haben. Ich sehne den Tag herbei, wenn ich einfach weiß, dass beide Kinder schwimmen können.«
23 Kinder im Vor- und Grundschulalter sind letztes Jahr beim Baden im Freien ums Leben gekommen. DLRG und auch der Verband Deutscher Schwimmlehrer befürchten, dass diese Zahl in den kommenden Jahren wegen der Pandemie ansteigt. Kröger-Preuß appelliert an die Eltern.
Bernd Kröger-Preuß Schwimmlehrer
»Unmittelbar danebenstehen! Wirklich die ganze Zeit danebenstehen! Da reicht schon knietiefes Wasser. Ich meine: knietiefes Wasser für die Kinder. Man muss einfach höllisch aufpassen. Kinder ertrinken auch leise. Man hört es nicht.«
Diese Elf wollen nach dem Seepferdchen gleich das Bronze-Schwimmabzeichen machen. Damit sie richtig schwimmen und tauchen können – wie der Rest der Familie.