Sebnitz Hausdurchsuchung bei Josephs Familie
Dresden - Laut Oberstaatsanwalt Claus Bogner sucht seine Behörde nach Unterlagen, die den Verdacht einer Anstiftung zur falschen Verdächtigung durch die Mutter Renate Kantelberg-Abdulla erhärten sollen. Zwei Vertretern der Staatsanwaltschaft und 15 Polizisten haben mit der Durchsuchung um 18.00 Uhr begonnen.
Die Familie von Joseph ist am Donnerstag aus einem bayerischen Kloster nach Sebnitz zurückgekehrt. Man hätte ihnen geraten, noch dortzubleiben, aber sie habe darauf bestanden, wieder nach Hause zurückzukehren, sagte Frau Kantelberg-Abdulla. Ihre 15 Jahre alte Tochter Diana ergänzte, dass die Beamten, die das Haus in Sebnitz durchsuchten, fast zeitgleich mit ihnen angekommen wären. Dem Fernsehsender n-tv sagte Josephs Mutter am Abend: "Ich habe nichts zu verbergen." Sie verstehe das Ganze nicht.
Aus Furcht vor gewalttätigen Demonstranten hatte die Stadt Sebnitz am Donnerstag eine für Sonntag geplante Lichterkette zum Gedenken an den kleinen Joseph abgesagt. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sei der Aufmarsch gewaltbereiter rechter und linker Gruppierungen zu erwarten, sagte Oberbürgermeister Mike Ruckh. Der Stadtrat habe daraufhin in Übereinstimmung mit den sächsischen Verfassungsschützern die Kundgebung "Sebnitz zeigt Gesicht" verschoben, sagte Ruckh.
Die Vernehmung neuer Zeugen brachte bisher keine Klärung, unter welchen Umständen der Sechsjährige im Sebnitzer Schwimmbad starb. Versäumnisse bei den Ermittlungen vor drei Jahren schließt die Staatsanwaltschaft aus, hat aber eine interne Prüfung angeordnet. Der Sprecher der Behörde, Claus Bogner, sagte, seine Behörde habe auch keine Anhaltspunkte für mangelhafte oder schlampige Arbeit der vorherigen Ermittler.
Bei der ersten Obduktion durch das Gerichtsmedizinische Institut an der Dresdner Universität-Klinik habe die Staatsanwaltschaft keine "relevanten Verstöße" festgestellt, sagte Bogner. "Wir erhoffen uns neue Erkenntnisse durch das dritte gerichtsmedizinische Gutachten." Dieses werde auf Grundlage des Dresdner Obduktionsberichts und der Untersuchungsergebnisse des Gießener Instituts für Rechtsmedizin erarbeitet.
Zudem wird nach den Angaben Bogners versucht, auch die in Gießen entnommenen Gewebeproben für das neue Gutachten heranzuziehen. Die Familie Kantelberg-Abdulla habe bislang dafür jedoch die Erlaubnis verweigert. Wie Bogner dem MDR-Rundfunk sagte, erwägt die Staatsanwaltschaft, die Probe zu beschlagnahmen.
Die Familie Josephs hält an ihrer Darstellung fest, ihr Sohn sei ermordet worden. Der Vater kündigte im TV-Sender RTL an, er wolle dafür in den nächsten Tage neue Beweise vorlegen.