Seebeben vor Sumatra: Zerstörte Verkehrswege erschweren die Hilfe - DER SPIEGEL
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Seebeben vor Sumatra Zerstörte Verkehrswege erschweren die Hilfe

Sie hatten den tödlichen Tsunami im Dezember überstanden. Jetzt sind viele Indonesier erneut Opfer einer verheerenden Naturkatastrophe geworden. Die ersten Helfer haben die besonders schwer betroffene Insel Nias inzwischen erreicht - doch die Hilfe für die vielen Verletzten verläuft schleppend: Der Flughafen ist fast komplett zerstört.
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Jakarta - Das indonesische Militär brachte Hilfsgüter und Helfer mit Hubschraubern und Kriegsschiffen in die betroffenen Gebiete. Ein Rotes-Kreuz-Team mit Ärzten und Rettungssanitätern flog nach Nias. Auch der Malteser Hilfsdienst schickte eine Mediziner-Gruppe und Hilfsgüter. Die indische Regierung bot eine Soforthilfe in Höhe von zwei Millionen Dollar an.

Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesaußenminister Joschka Fischer bekundeten ihr Beileid. Köhler nannte es "unfassbar", dass so kurz nach nach der Tsunami-Flutwelle eine weitere große Zahl an Menschen ihr Leben verloren habe. Schröder schrieb an Präsident Susilo Yudhohone: "Wir wollen Ihnen in diesen schweren Stunden nach Kräften beistehen." Fischer bat dem indonesischen Außenminister Hassan Wirajuda um Nachricht, wenn Deutschland mit "praktischer Hilfe" beistehen könne. Dem Auswärtigen Amt war zunächst nichts über deutsche Opfer bekannt.

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Neues Seebeben: Luftbilder der Katastrophe

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Die genaue Zahl der Toten und das Ausmaß der Schäden nach dem Beben der Stärke 8,7 bleibt weiter unklar. Etwa 1000 Menschen gelten noch immer als vermisst. Mit der verheerenden Flutwelle vom 26. Dezember, die etwa 300.000 Menschen den Tod gebracht hat, ist die neuerliche Katastrophe aber nicht zu vergleichen.

Unmittelbar nach dem schweren Seebeben begannen Hunderte freiwillige Helfer des Roten Kreuzes damit, Verschüttete zu suchen, Verletzte zu bergen und Obdachlose zu versorgen. Die Hilfseinsätze auf Nias wurden jedoch durch den teilweise zerstörten Flughafen sowie beschädigte Brücken und Straßen erschwert. Nur Helikopter und kleine Flugzeuge können landen. Einige Gegenden sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

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Seebeben: Behörden rechnen mit bis zu 2000 Toten

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"Von der Westküste haben wir überhaupt keine Nachrichten", sagte Johanniter-Mitarbeiter Marc Cachon. Nach Informationen des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) sind mehr als 80 Prozent der mehrstöckigen Gebäude auf Nias eingestürzt. Dem indonesischen Roten Kreuz zufolge sind etwa 10.000 Menschen obdachlos, Tausende sollen verschüttet sein.

Die rund 1500 Kilometer nordwestlich von Jakarta gelegene Insel Nias und das benachbarte Eiland Simeulue befinden sich nahe des Epizentrums des neuen Bebens. In derselben Region hatte vor drei Monaten die Tsunami-Katastrophe nach Erdstößen der Stärke 9,0 verheerende Schäden verursacht.

Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla äußerte die Befürchtung, dass allein auf Nias bis zu 2000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. Diese Zahl sei allerdings nur eine "grobe Schätzung" auf Basis der Gebäudeschäden. "Das Problem ist, überhaupt in das Katastrophengebiet zu gelangen", sagte der Sprecher des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, John Budd. Auch die Lage auf anderen Sumatra vorgelagerten Inseln war zunächst unübersichtlich. Nach Informationen der Welthungerhilfe sollen auf der Nachbarinsel Simeulue mehrere hundert Menschen getötet worden sein. Eine drei Meter hohe Flutwelle soll die Insel, die bereits Ende Dezember schwere Schäden erlitten hatte, getroffen haben.

In weiten Teilen Südostasiens brach unter den Menschen nach den minutenlangen Erdstößen in der Nacht eine Massenpanik aus. Vor allem in der indonesischen Provinz Aceh hatte die Angst vor einem Tsunami die Menschen in die Flucht getrieben. "Dabei kam es zu zahlreichen Massenunfällen auf den überfüllten Straßen", sagte Birgit Zeitler von der Welthungerhilfe.

3D-Modell der Crashzone: "Riesige Spannungsänderungen"

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Foto: REUTERS/ Royal Navy

Der Meeresboden nach dem Beben im Dezember




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Auch auf der Hauptinsel Sumatra seien durch das neue Beben Straßen und Brücken zerstört worden, sagte der Vizechef des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) in Jakarta, Markus Dolder. Teilweise sei der Strom ausgefallen. Im Süden der Provinz Aceh habe es zudem eine "kleinere Welle ins Landesinnere" gegeben. "Aber die war natürlich nie von der Stärke des Tsunamis Ende 2004." An manchen Stränden seien aber kleinere Läden weggeschwemmt worden. Nach ersten Informationen habe es auf Sumatra keine Todesopfer gegeben.

Nach dem Beben will Thailand nun den Aufbau eines eigenen Tsunami-Warnsystems beschleunigen und bis Ende April abschließen. "Wir wollen nicht länger auf andere Länder warten", sagte Ministerpräsident Thaksin Shinawatra. Das Warnsystem für sechs Provinzen im Südwesten des Landes werde mit internationalen Netzwerken verknüpft. Die Informationen sollen auf Mobiltelefone geschickt sowie an Fernseh- und Radiostationen weitergegeben werden.

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