Seenotleitung Bremen: "Das wird mit voller Wucht treffen" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Seenotleitung Bremen "Das wird mit voller Wucht treffen"

Bis in die Nacht ist auf Nord- und Ostsee mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometer pro Stunde zu rechnen. Der Sturm wird die deutsche Bucht mit voller Wucht treffen, warnt der Leiter der Seenotleitung Bremen, Dirk Hinners-Stommel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Herr Hinners-Stommel, Sie überblicken den Schiffsverkehr auf Nord- und Ostsee. Wie ist die Lage kurz vor dem Sturm?

Hinners-Stommel: Im Moment ist die Lage ruhig, es gibt zu dieser Jahreszeit nur Berufsschifffahrt. Ich blicke gerade auf eine elektronische Seekarte und das unterscheidet sich nicht großartig von dem, was da sonst so rumfährt.

SPIEGEL ONLINE: Wann wird der Sturm seine stärkste Kraft entfalten?

Hinners-Stommel: Heute Nachmittag soll es so richtig losgehen, dabei muss ich mich aber auch auf die Wettervorhersagen verlassen. Bis in die Nacht und den frühen Morgen ist durchaus mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometer pro Stunde zu rechnen. Das ist dann schon ein satter Sturm der Kategorie 12. Der wird mit voller Wucht die deutsche Bucht treffen. Die Wasserstände steigen, mit Wellenhöhen von bis zu 10 Metern auf See ist zu rechnen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Konsequenzen wird das für Schiffe haben?

Hinners-Stommel: Die Berufsschifffahrt lässt sich im Allgemeinen nicht von starken Winden beeindrucken. Das sind größere Tanker oder Containerschiffe, die zum Beispiel von Hamburg nach Rotterdam fahren. Kleine Kutter werden sich sicherlich gut überlegen, ob sie da noch rausfahren.

SPIEGEL ONLINE: Wie können sich Seeleute vorbereiten?

Hinners-Stommel: Wichtig ist, noch mal die Ladung und Ausrüstung zu kontrollieren und zu prüfen, ob sie gut gestaut ist. Das ist eigentlich das Einzige, was man machen kann. Üblicherweise fährt man durch solch einen Sturm durch. Es gibt ja nicht wie im Atlantik einen Umweg, den man nehmen kann. Will man durch die deutsche Bucht, muss man durch den Sturm.

SPIEGEL ONLINE: Haben sich alle an die Warnungen gehalten, oder werden Sie noch Hobbysegler aus dem Wasser fischen müssen?

Hinners-Stommel: Diese Wahrscheinlichkeit ist eher gering, es ist so gut wie keine Freizeitschifffahrt unterwegs und schon seit zwei bis drei Tagen gibt es Sturmwarnungen. Auch wenn der Fährverkehr eingestellt wird, ist das vernünftig. Aber es kann trotzdem jederzeit zu Notfällen auf Schiffen kommen. Das wird dann natürlich schwerer, zum Beispiel einen Kranken bei Windstärke 12 zu bergen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind die Seenotretter vorbereitet, falls doch noch was passieren sollte?

Hinners-Stommel: Wir können mit unseren Kreuzern jederzeit losfahren. Hier in der Seenotleitung sind immer drei Mann zur Wache eingeteilt und können große Lagen abarbeiten. Wir sind immer bereit - egal, ob es stürmt oder nicht. In den vergangenen 24 Stunden hat es aber noch keine Einsätze gegeben.

Das Gespräch führte Tim Höfinghoff