Seilbahnunglück: Bergung der Leichen bald abgeschlossen - DER SPIEGEL
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Seilbahnunglück Bergung der Leichen bald abgeschlossen

Die Helfer im österreichischen Kaprun haben die Bergungsarbeiten im Unglückstunnel die ganze Nacht über fortgesetzt. Die Teams mussten wegen der großen psychischen Belastung regelmäßig ausgewechselt werden.
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Wien/Kaprun - Im österreichischen Skiort Kaprun haben die Einsatzkräfte in der Nacht zum Dienstag weitere Leichen aus der ausgebrannten Gletscherbahn geborgen. Nach Angaben der Einsatzleitung sind bis zum Dienstagvormittag 90 Opfer geborgen worden. Man gehe davon aus, dass die Bergung aller Leichen aus dem Bahntunnel "nicht mehr allzu lange dauern" werde. Die Toten seien zunächst zum Mittelstollen des Tunnels am Kitzsteinhorn gebracht worden und würden im Laufe des Vormittags zur Identifizierung nach Salzburg geflogen.

Bis zum Montagabend waren mindestens 66 Leichen vom österreichischen Kitzsteinhorn in das gerichtsmedizinische Institut nach Salzburg geflogen worden, teilte die Bezirkshauptfrau der Region Pinzgau, Rosmarie Drexl, in Kaprun mit. Die Ursache des Unglücks ist nach wie vor unklar. Nach Angaben von Polizeimajor Franz Lang handelte es sich höchstwahrscheinlich um einen Schwelbrand im hinteren Teil der Bergbahn. Bei der Gletscherbahn-Katastrophe kamen am Samstag insgesamt 159 Menschen ums Leben, darunter mindestens 37 Deutsche.

Viele der Opfer sind bis zur Unkenntlichkeit entstellt oder vollständig verbrannt. In den nächsten Tagen sollen genetische Analysen in Salzburg die Identität der Toten klären. Nach Angaben der Chefin der Gerichtsmedizin, Edith Tutsch-Bauer, werden die DNS-Analysen wahrscheinlich erst in vier Wochen abgeschlossen sein.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Nach bisherigen Erkenntnissen sind 154 Menschen in der ausgebrannten Gletscherbahn, zwei in einem zweiten, nicht beschädigten Zug und drei durch Rauchgasvergiftungen in der Bergstation ums Leben gekommen. Bei diesen drei Opfern soll es sich nach vorläufigen Angaben der österreichischen Behörden vermutlich um zwei Österreicher und einen Deutschen handeln.

Unter den vermissten Touristen, die mit "90-prozentiger Sicherheit" als Opfer im Tunnel identifiziert wurden, sind nach bisherigen Erkenntnissen 92 Österreicher, 37 Deutsche, zehn Japaner, acht US-Bürger, vier Slowenen, zwei Niederländer sowie jeweils eine Person aus Großbritannien und Tschechien. Bei vier Toten sei die Nationalität noch nicht geklärt, sagte der Landeshauptmann von Salzburg, Franz Schausberger.

Die Staatsanwaltschaft in Salzburg begann am Montag mit der vorläufigen Untersuchung der Brandkatastrophe. Ob es tatsächlich zu einer Anklageerhebung kommt, werde sich aber erst in Wochen zeigen. Als Reaktion auf die Katastrophe am Kitzsteinhorn werden ähnliche Bahnen in Österreich, Frankreich und Deutschland jetzt außerplanmäßig auf ihre Sicherheit überprüft.

Für besorgte Angehörige von Winterurlaubern sind in Österreich und Deutschland Notrufnummern eingerichtet worden, die pausenlos belegt waren. Der österreichische Fernsehsender ORF stellte unter der Adresse www.orf.at  eine Liste der Urlauber ins Internet, die gesund in ihre Unterkünfte zurückgekehrt sind. Psychologen halfen den Angehörigen vor Ort, mit dem Unfassbaren fertig zu werden.