Seilbahnunglück von Sölden: Pilot beteuert Unschuld - DER SPIEGEL
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Seilbahnunglück von Sölden Pilot beteuert Unschuld

Neun Menschen, darunter sechs Kinder, sind beim Seilbahnunglück von Sölden im September 2005 ums Leben gekommen. Der Hubschrauberpilot, der für die Katastrophe verantwortlich sein soll, beteuert vor Gericht seine Unschuld. Das empört die Angehörigen der Opfer.
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Innsbruck - Er sei nicht verantwortlich für den Unfall, bei dem neun Deutsche getötet und neun weitere zum Teil schwer verletzt wurden, sagte der 36-Jährige beim Prozessauftakt vor dem Landesgericht Innsbruck.

Der Anklage zufolge soll der Pilot gegen Vorschriften verstoßen haben, als er über die Seilbahnstrecke flog. Sie wirft ihm fahrlässige Gemeingefährdung und fahrlässige Körperverletzung vor. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann bis zu fünf Jahre Haft.

Seine Verteidigerin Andrea Haniger-Limburg sprach von einer "Verkettung unglücklicher Umstände". Diese habe dazu geführt, dass der Helikopter seine Außenlast verloren habe und der Betonkübel genau auf das Seil der Gondelbahn gefallen sei. Das habe der Angeklagte "nach menschlichem Ermessen" nicht vorhersehen können. Der Pilot sei selbst "Opfer des Schicksals" geworden. Jeder Flug berge "wie das Autofahren" eine gewisse Gefahr.

Unter den Angehörigen der Opfer löste diese Argumentation Empörung aus. "Jetzt reicht's aber", rief einer der Prozessbeobachter. Richter Bruno Angerer musste die Zuschauer zur Ruhe ermahnen. Bereits zuvor hatten sich einige der Angehörigen bei dem Richter beschwert, weil er sie zum Teil nicht als Privatbeteiligte zu dem Verfahren zuließ. In Zwischenrufen warfen sie Angerer vor, von ihm "ausgetrickst" worden zu sein. Der Richter wies die Beschwerden zurück und verwies auf das österreichische Recht.

Der Vater eines bei dem Unfall ums Leben gekommenen 13-jährigen Jungen warf der österreichischen Justiz Versagen vor. Hans-Peter Ketterer aus Bad Dürrheim im Schwarzwald sagte am Rande des Prozesses, es sei "ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen", dass sich nur der Pilot vor Gericht verantworten muss. Auf der Anklagebank müssten auch Vertreter der Gondelbahn und der Helikopterfirma sitzen, forderte Ketterer. Der Pilot sei nur "das schwächste Glied in der Kette".

Der Angeklagte hatte seine Ladung - einen mit flüssigem Beton gefüllten Metallkübel, auf dem Flug zu einer Baustelle am Tiefenbachferner Gletscher verloren. Als dieser 300 Meter tiefer auf das Drahtseil der Bahn schlug, geriet die Gondel so stark in Schwingung, dass sie in die Tiefe stürzte und gegen einen Fels prallte.

aki/ddp/AFP