Senegal Fährunglück fordert fast tausend Todesopfer
London/Nairobi/Dakar - Nach offiziellen Angaben seien 1034 Menschen auf dem Unglücksschiff gewesen, berichtete der britische Sender BBC. Dies sei fast das Doppelte der Kapazität der Fähre gewesen. Bis Sonntagnachmittag waren mehr als 350 Leichen geborgen worden. Bei einem Zwischenstopp seien etwa 200 Menschen an Bord gegangen, die bisher nicht in die Passagierzahl eingerechnet worden waren.
Senegals Präsident Abdoulaye Wade übernahm die Verantwortung des Staates für die Havarie des völlig überladenen Schiffes. Er sagte den Familien der Todesopfer Unterstützung zu und ordnete eine offizielle Untersuchung der Katastrophe an.
Für die vielen Vermissten bestand nach Angaben von Regierungsvertretern in der Hauptstadt Dakar kaum noch Hoffnung. Die Opfer sind größtenteils Senegalesen, aber auch 20 Menschen aus Gambia sowie 21 Europäer aus Frankreich, Spanien, den Niederlanden, der Schweiz und Belgien.
Die staatseigene senegalesische Fähre "Joola" war in der Nacht zum Freitag in einem Sturm im Atlantischen Ozean havariert. Die Presse Senegals sprach von einem "schwarzen Freitag" und "unserer Titanic". Präsident Wade gab zu, dass die Fähre überladen und nur für Reisen auf Binnengewässern konstruiert war. "Das Schiff war nicht für das Meer gebaut", sagte er vor Hinterbliebenen der Opfer, die vor dem Präsidentenpalast in Dakar für eine Aufklärung des Vorfalls demonstrierten. Er hatte zuvor einen Besuch in Paris abgebrochen und war in seine Heimat zurückgeflogen. "Die Verantwortung des Staates ist klar", betonte er.
Die senegalesische Marine suchte auch am Sonntag unter anderem mit Tauchern nach den Vermissten im Bauch des Schiffes. Die Fähre war nicht vollständig gesunken. Überlebende berichteten in Krankenhäusern, dass starke Regenstürme das Schiff zum Kentern gebracht hätten. Alles sei sehr schnell gegangen, dabei wurden hunderte Menschen im Rumpf eingeschlossen. Die Fähre war nach einer fast einjährigen Reparatur erst vor drei Wochen wieder in Betrieb genommen worden.