Serienmorde in China Gefoltert, getötet, vergraben
Peking - Erst Anfang November nahm die Polizei den 35-jährigen Yang Zhiya fest. Er wird verdächtigt, seit 2001 insgesamt 65 Menschen in vier Provinzen erstochen und fünf schwer verletzt zu haben. Der "Monster-Killer" (Hongkongs "South China Morning Post") habe sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis und dem Bruch mit seiner Freundin an der Gesellschaft rächen wollen, heißt es. Er hatte wegen Vergewaltigung und Diebstahl bereits mehrere Jahre in Haft gesessen.
Nun, nur eine Woche nach der ersten Festnahme, brachten Fahnder in der zentralen Provinz Henan einen Mann hinter Gitter, dem sie den Mord an 23 Teenagern vorwerfen. Der 29-jährige Huang Yong soll seit September 2001 seine Opfer mit Jobangeboten von Internetcafés in seine Wohnung gelockt, mitunter gefoltert und dann umgebracht haben.
18 Leichen konnten inzwischen identifiziert werden. Dabei handelt es sich vor allem um Oberschüler, das älteste Opfer war 20 Jahre alt. Der Täter hatte die Leichen in seinem Garten vergraben. Er wurde gefasst, nachdem ein junger Mann ihn überreden konnte, ihn laufen zu lassen. "Das Motiv ist völlig unklar", berichtete die Pekinger Jugendzeitung. Das Blatt veröffentlichte heute Fotos von Opfern und von trauernden Eltern.
Die Mordserie dürfte nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Parteispitze zutiefst beunruhigen. Die KP rechtfertigt ihre Herrschaft mit dem Versprechen, politische und soziale Stabilität zu erhalten. Doch jetzt werden Stimmen laut, die das Verhalten der Polizei kritisieren. Offensichtlich hatten es die Beamten aus Angst vor Unruhe nicht für nötig befunden, die Bevölkerung vor den Serienmördern zu warnen.
Chinas Führung versucht immer wieder, die Kriminalität mit so genannten "Hart Zuschlagen"-Kampagnen zu bekämpfen. Das für Sicherheit zuständige Politbüro-Mitglied Luo Gan, hatte jüngst gefordert, die Aktion mit "neuer Inbrunst" fortzusetzen.
Gleichzeitig mit den beiden Serienmorden wurde bekannt, dass zwei Männer in der südlichen Sonderwirtschaftszone Shenzhen verdächtigt werden, zwölf junge Frauen getötet zu haben. In der südlichen Provinz Yunnan und in Shandong im Osten legte die Polizei jetzt einer Menschenhändlerbande das Handwerk, die über ein Jahrzehnt insgesamt 150 Frauen und 27 Kinder entführt und verkauft haben soll. Einen so großen Fall habe es bislang in China nicht gegeben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.