Seuchengefahr: China am Beginn eines langen Kampfes - DER SPIEGEL
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Seuchengefahr China am Beginn eines langen Kampfes

Der Kampf gegen die tödliche Lungenkrankheit SARS wird immer schwieriger. Um die Ausbreitung einzudämmen, wurde in Peking ein zweites Krankenhaus geschlossen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht inzwischen davon aus, dass es noch mehrere Monate dauern wird, die Seuche in den Griff zu bekommen.
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Peking - Die chinesischen Behörden haben am Freitag den Kampf gegen die tödliche Lungenkrankheit SARS verstärkt. Einen Tag nach der Schließung des Volks-Krankenhauses der Pekinger Universität wurde eine weitere Klinik für Besucher gesperrt. 4000 Pekinger, die Kontakt mit SARS-Kranken gehabt haben sollen, wurden angewiesen, ihre Wohnungen nicht mehr zu verlassen. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde sagte, er könne nicht sagen, wie lange diese Quarantäne dauern solle.

Ein Sprecher der Stadtverwaltung wies Gerüchte zurück, die Regierung plane die Verhängung des Kriegsrechts oder wolle die Flughäfen und Fernstraßen der Hauptstadt schließen. Der Leiter der Propaganda-Abteilung Pekings, Cai Fuchao, sagte, Inspektionsteams seien in die 147 Krankenhäuser geschickt worden, um sicherzustellen, dass alle SARS-Fälle gemeldet werden. Militärkrankenhäuser hatten die zivile Verwaltung zuvor nicht darüber informiert.

In Peking sind bisher 42 der landesweit 113 Chinesen an der Lungenkrankheit gestorben. Infiziert sind nach amtlichen Angaben 2601 Menschen, darunter mehr als 870 in Peking.

Seit Donnerstag gibt es Berichte darüber, dass einige Stadtteile abgeriegelt seien. Laut "Financial Times" hat die Pekinger Polizei damit begonnen, Straßensperren auf vielen Straßen zu errichten, die aus der Stadt führen. Einige Orte würden für alle gesperrt, die nicht dort wohnen.



Vergangene Woche hatte China ein konsequentes Vorgehen gegen das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) angekündigt, nachdem international Kritik am Umgang Chinas mit der Krankheit laut geworden war. SARS soll erstmals vor fünf Monaten in der südchinesischen Provinz Guangdong aufgetreten sein. Rund die Hälfte der etwa 4500 weltweit bekannten SARS-Fälle sind in China gemeldet.

Wut in Toronto

In Toronto hat die Reisewarnung der WHO für wütende Proteste gesorgt. Mel Lastman, Bürgermeister der kanadischen Großtstadt, schimpfte, die Warnung der WHO sei nicht nachzuvollziehen. "Eins muss klar sein: Wenn es sicher ist, in Toronto zu leben, dann ist es auch sicher, Toronto zu besuchen", sagte er. Die Krankheit sei zwar nicht vorüber, "aber definitiv unter Kontrolle", so Torontos Amtsärztin Sheela Basrur. In Kanada sind 330 Fälle von SARS bekannt, 16 Menschen starben daran - die meisten davon in Toronto.

In Singapur drohen bei Verletzung der Quarantänevorschriften künftig drakonische Strafen. Wer sich nicht an die Quarantäne hält, muss mit sechs Monaten Haft und Geldstrafen von bis zu 20.000 Singapur-Dollar (10.250 Euro) rechnen. "Das Quarantäne-Sytem muss wasserdicht sein", sagte Vize-Regierungschef Lee Hsien Loong bei der Verabschiedung des neuen Gesetzes zur Eindämmung der Lungenerkrankung am Donnerstag.

Nach offiziellen Angaben stehen derzeit in dem tropischen Stadtstaat über 2460 Menschen daheim unter Quarantäne, weil sie möglicherweise mit SARS-Patienten Kontakt hatten. In den vergangenen Wochen hatten in mehreren Fällen mögliche Träger der Lungenkrankheit entgegen den Anweisungen der Behörden ihre Wohnungen oder Häuser verlassen. In Singapur gibt es bislang 189 bekannte Erkrankungen mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom, 15 Menschen erlagen der Lungenseuche.

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