Seuchengefahr Straßensperren gegen SARS
Peking - In Peking umstellten Polizisten ein Universitätskrankenhaus, in dem sich mindestens 60 Ärzte und Krankenpfleger mit der Krankheit angesteckt haben könnten. "Niemand darf das Gebäude verlassen oder betreten", berichtete ein Mitarbeiter des 1200-Betten-Hospitals telefonisch der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sprecher des Krankenhauses konnte keine Angaben über die Zahl der Patienten machen, sagte jedoch, sie seien auf sechs andere Einrichtungen verteilt worden. Die Räume der Klinik würden jetzt desinfiziert.
Quarantäne notfalls mit Gewalt
Auch andere Gebäude, in denen das Virus aufgetreten ist, sollen unter Quarantäne gestellt werden. Dabei soll notfalls auch Gewalt angewandt werden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Dies gelte auch für Personen, die sich vermutlich mit dem Virus infiziert hätten. Nach einem Bericht der "Financial Times" hat die Pekinger Polizei damit begonnen, Straßensperren auf vielen Straßen zu errichten, die aus der Stadt führen. Einige Orte würden für alle gesperrt, die nicht dort wohnen.
Vergangene Woche hatte China ein konsequentes Vorgehen gegen das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) angekündigt, nachdem international Kritik am Umgang Chinas mit der Krankheit laut geworden war. SARS soll erstmals vor fünf Monaten in der südchinesischen Provinz Guangdong aufgetreten sein. Rund die Hälfte der etwa 4500 weltweit bekannten SARS-Fälle sind in China gemeldet. In Peking starben nach offiziellen Angaben bereits 39 Menschen an der Lungenerkrankung, 774 haben sich angesteckt. In der gesamten Volksrepublik erlagen bisher 110, in Hongkong weitere 109 Menschen der Krankheit. Weltweit liegt die Zahl der Todesopfer bei 261.
Wut in Toronto
In Toronto hat die Reisewarnung der Weltgesundheitsorganisation WHO für wütende Proteste gesorgt. Mel Lastman, Bürgermeister der kanadischen Großtstadt, schimpfte, die Warnung der WHO sei nicht nachzuvollziehen. "Eins muss klar sein: Wenn es sicher ist, in Toronto zu leben, dann ist es auch sicher, Toronto zu besuchen", sagte er. Die Krankheit sei zwar nicht vorüber, "aber definitiv unter Kontrolle", so Torontos Amtsärztin Sheela Basrur. In Kanada sind 330 Fälle von SARS bekannt, 16 Menschen starben daran - die meisten davon in Toronto.
In Singapur drohen bei Verletzung der Quarantänevorschriften künftig drakonische Strafen. Wer sich nicht an die Quarantäne hält, muss mit sechs Monaten Haft und Geldstrafen von bis zu 20.000 Singapur-Dollar (10.250 Euro) rechnen. "Das Quarantäne-Sytem muss wasserdicht sein", sagte Vize-Regierungschef Lee Hsien Loong bei der Verabschiedung des neuen Gesetzes zur Eindämmung der Lungenerkrankung am Donnerstag.
Nach offiziellen Angaben stehen derzeit in dem tropischen Stadtstaat über 2460 Menschen daheim unter Quarantäne, weil sie möglicherweise mit SARS-Patienten Kontakt hatten. In den vergangenen Wochen hatten in mehreren Fällen mögliche Träger der Lungenkrankheit entgegen den Anweisungen der Behörden ihre Wohnungen oder Häuser verlassen. In Singapur gibt es bislang 189 bekannte Erkrankungen mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom, 15 Menschen erlagen der Lungenseuche.