Seuchengefahr WHO befürchtet Verdoppelung der Opferzahlen
Genf - "Es gibt ganz sicher die Möglichkeit, dass durch ansteckende Krankheiten genauso viele Menschen sterben wie durch den Tsunami", sagte David Nabarro von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte Nabarro, dass es eine "normale Regel" sei, dass sich in den ersten drei Wochen nach einer Katastrophe die Zahl der Opfer beispeilsweise durch Durchfallerkrankungen noch einmal verdoppeln könne. Man wisse aber zurzeit weder, wie viele Tote die Flutwelle gefordert hat noch wie viele Menschen in den kommen Wochen tatsächlich umkommen würden. "Das Wichtigste im Katastrophengebiet ist jetzt frisches Trinkwasser und die Versorgung mit Medikamenten", sagte Nabarro.
Bis zum Nachmittag wurden in den Katastrophengebieten fast 51.000 Tote gezählt. Besonders betroffen sind Sri Lanka, Indonesien und Indien. In viele Regionen dringen die Hilftrupps nur langsam durch, da vielerorten die Straßen von den Fluten zerstört wurden.
Auch die Welthungerhilfe warnte vor Seuchengefahr: "Die Situation ist weit dramatischer als angenommen", sagte der Projektleiter der Organisation in Sri Lanka, Martin Baumann. Die Mittel für die betroffenen Ländern seien auf eine halbe Million Euro aufgestockt worden.
Die Diakonie Katastrophenhilfe erhöhte ihre Gelder für Nothilfe, die Organisation Ärzte ohne Grenzen startete Hilfsmaßnahmen. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR öffnete in Sri Lanka seine örtlichen Hilfslager und kündigte an, Zehntausende Schutzplanen, Plastikmatten, Seile und Hilfspakete zu verteilen. Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef startete von Kopenhagen aus den ersten Hilfsflug mit Medikamenten und Zusatznahrung für Kinder nach Sri Lanka.