"Sewol"-Katastrophe: Angehörige trauern um Opfer - DER SPIEGEL
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Untergang der "Sewol": "Kinder Gottes sind wegen der Fehler Erwachsener gestorben"

Foto: KIM HONG-JI/ REUTERS

Zimmer von Opfern des "Sewol"-Untergangs Raum für Trauer

304 Menschen starben beim Untergang der "Sewol" - die meisten davon Schüler. Ihre Zimmer sind für Angehörige Orte der Trauer. Der Fotograf Kim Hong-Ji hat in den Räumen die Menschen fotografiert, die Söhne und Töchter verloren haben.
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Das Bett ist aus Kim Dong-hyuks Zimmer verschwunden; es unbenutzt zu sehen konnten seine Angehörigen einfach nicht ertragen. Sie ließen es entfernen, als sie nicht zu Hause waren. Aber ansonsten ist der Raum seit einem Jahr unverändert. Hier wohnte der 16-Jährige, der wie 250 Schüler der Danwon High School beim Untergang der Fähre "Sewol" am 16. April 2014 starb. Die Teenager machten den größten Teil der insgesamt mehr als 300 Opfer aus. Sie waren auf einem Schulausflug.

Die Stadt Ansan, eine Industriestadt bei Seoul, traf es besonders hart. Hier wohnen viele betroffene Familien. Manche von ihnen bringen es nicht übers Herz, die Möbel, Poster, Stofftiere, Bücher, Bilder und Kleider der Toten wegzubringen. Die Räume sind zu Orten der schmerzlichen Erinnerung geworden. Der Fotograf Kim Hong-Ji  hat die Eltern nun vor dem ersten Jahrestag der Katastrophe in den nahezu unverändert gelassenen Räumen ihrer verstorbenen Kinder fotografiert.

Dong-hyuk spielte gerne Computer. Das Gerät steht auf dem Schreibtisch; dort liegt auch der MP3-Player, den man in den Händen des toten Jungen fand. Vater Kim Young-lae hat ein Bild seines Sohnes aufgehängt. "Manchmal rede ich mit ihm im Bild", sagt er. "Aber ich kann nicht seine Augen anschauen, Dong-hyuks Augen, weil es mir immer noch so leid tut."

Dong-hyuks letzte Botschaft wurde vom Handy eines Freundes festgehalten: "Mama und Papa, ich liebe euch." Das Video vermittelt auch einen Eindruck von den chaotischen Zuständen an Bord während des Untergangs.

Zur Trauer kommt die Wut über den Umgang mit der Katastrophe. Ermittlungen zeigten, dass das Schiff in schlechtem Zustand und regelmäßig überladen war. Die Rettungsaktion war ein Desaster, die betroffenen Familien fühlen sich im Stich gelassen. Ein Gesetz über die Untersuchung des Unglücks kommt nicht voran; vielfach wird verlangt, das Wrack zu heben und neun immer noch vermisste Personen zu bergen.

Der Betreiber der "Sewol" war im November zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, der Kapitän zuvor schon zu 36 Jahren Freiheitsstrafe. Er hatte Fehler zugegeben. Laut einem Untersuchungsbericht trugen neben der Inkompetenz der Besatzung auch Behördenversagen, Korruption sowie Geldgier der Reederei zu der Katastrophe bei.

ulz/Reuters