Sex hinter Gittern Heidemörder will ungestörte Schäferstündchen
Hamburg - Holsts Frau, Tamar S., habe Begegnungen ohne Aufsicht beantragt, bestätigte Sabine Westphalen von der Hamburger Justizbehörde gegenüber SPIEGEL ONLINE. Holst, 38, hatte im November 1987 eine 21-jährige Studentin entführt, vergewaltigt und erdrosselt. Vier Monate später entführte er eine 29 Jahre alte Hausfrau. Auch sie vergewaltigte und erdrosselte er. Das gleiche Schicksal widerfuhr am 26. November 1990 einer 22-jährigen Kosmetikschülerin.
1994 war der "Heidemörder" - wie er nach einem der Tatorte genannt wurde - nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft in die Psychiatrie eingewiesen worden. Dort lernte er die Therapeutin Tamar S. kennen, die ihm im September 1995 zur spektakulären Flucht verhalf: Durch mehrere Sicherheitsschleusen und eine Treppe fand er den Fluchtweg zur Empore der Anstaltsturnhalle. Dort schlug er ein Loch ins Dach und seilte sich sechs Meter tief ab. Insgesamt drei Monate suchte die Polizei in ganz Deutschland nach dem Mann. Erst als die Beamten die Therapeutin kurzzeitig festnahmen, gelang der Durchbruch: Holst stellte sich einen Tag später. Tamar S. wurde für die Beihilfe zur Flucht zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, allerdings wurde die Strafe nach Anrechnung der Untersuchungshaft zur Bewährung ausgesetzt. 1997 heirateten Holst und S. im Hamburger Untersuchungsgefängnis - Freigang war dem Bräutigam verwehrt worde.
Bereits im Jahr 2000 und 2001 habe Holsts Frau intime Treffen mit ihrem Mann gefordert. Die Klinikleitung habe das jedoch abgelehnt, erklärte Justizsprecherin Westphalen. Die Entscheidung wurde damals vom Landgericht und Oberlandesgericht bestätigt. Nun habe die Frau einen neuen Antrag gestellt, ihren Mann ohne Aufsicht besuchen zu dürfen. Bevor das Gericht tätig werde, müsse zunächst die Begründung der Klinikleitung abgewartet werden.