Sexgeflüster: Kirchenseminar gegen das Schweigen im Bett - DER SPIEGEL
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Sexgeflüster Kirchenseminar gegen das Schweigen im Bett

In Deutschlands Betten soll beim Sex nicht länger geschwiegen werden. Das Seminar "WonneWorte" in München hat die Aufgabe, Paare gesprächiger zu machen. Es wird aber von der Evangelischen Kirche organisiert, was etliche Christen besonders erregt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Das an diesem Freitag beginnende Seminar über das Schweigen beim Beischlaf wird von der Evangelischen Stadtakademie in München ausgerichtet. Der Arbeitskreis Bekennender Christen (ABC) ist deshalb empört. "Dem aus Kirchensteuergeldern mitfinanzierten Münchner Bildungszentrum ist der Lustverlust in der Gesellschaft wichtiger als der Glaubensverlust", schimpft Pfarrer Wolfhart Schlichting in der Münchner "Abendzeitung".

"Sprache ist die erogenste Zone des Menschen", glaubt der Schweizer Paartherapeut Klaus Heer, der das Seminar "WonneWorte" leitet. Der 58-Jährige findet es fatal, dass beim Sex, wenn zwei Menschen sich am nächsten seien, oft geschwiegen werde: "Ausgerechnet dann sind wir stumm, das ist grotesk", findet er.

Sätze wie "Deine Haut ist so wunderbar weich" oder "Meine Finger genießen das" könnten wahre Wunder wirken, wenn es im Bett zu still und langweilig werde. Pfarrer Schlichting sieht das natürlich anders: "Lust kann man nicht herbeireden. Eher mit dem Glauben an Gott."

Bei dem Seminar sollen sich die Teilnehmer unter vier Augen erotische Kurzgeschichten und auch Abschnitte aus Pornoheften vorlesen. Studienleiter Michael Kaminski, der das Münchner Seminar organisiert hat, beteuert, dass weitere Schritte nicht folgen: "Keine Sorge: Es bleibt alles auf verbaler Ebene. Es gibt keine Matratzen!"