Siamesische Zwillinge Trennungsoperation unterbrochen
Baltimore/Lemgo - Zur Begründung für den Stopp der Operation gab die Klinik "Komplikationen mit dem Stoffwechsel" an. Eines der Mädchen habe "unregelmäßige Lebenszeichen" entwickelt. Lea und Tabea sind an der Schädeldecke zusammengewachsen und haben eine 50-prozentige Chance, die Trennung zu überleben. "Derzeit sind die Zwillinge stabil", beruhigte das Ärzteteam. Sollte der Zustand der beiden weiterhin stabil bleiben, könne "die Operation innerhalb Wochenfrist fortgesetzt werden". Dies teilte die Klinik heute in einer Erklärung mit.
Zum Zeitpunkt des Operationsstopps waren die Chirurgen bereits durch die äußere Hirnhaut gedrungen und hatten begonnen, die größeren Blutgefäße im Gehirn der einjährigen Mädchen zu trennen.
Die Spezialisten der Johns-Hopkins-Klinik in Baltimore wollten am Sonntag über das weitere Vorgehen entscheiden. Schon der Beginn des gewagten Eingriffs hatte sich um vier Stunden verzögert. Sollte die Operation fortgesetzt werden und gut ausgehen, dürften Lea und Tabea möglicherweise erst am Montag aus dem Operationssaal gerollt werden.
"Sehr genau beobachten, was geschieht"
Das Operationsteam von insgesamt 50 Medizinern und Assistenten wird von dem Neurochirurgen Benjamin Carson geleitet, der bereits in vier Fällen einen solchen Eingriff gewagt hat. Er gehörte im vergangenen Jahr auch zu dem Ärzteteam, das in Singapur den ersten Versuch vornahm, erwachsene siamesische Zwillinge am Kopf zu trennen.
Die beiden Iranerinnen Laleh und Ladan Bidschani starben auf dem Operationstisch. Zuvor hatte Carson 1987 und 1997 an zwei erfolgreichen Trennungen von siamesischen Zwillingen mitgewirkt. Es wird erwartet, dass die Operation in Baltimore 24 bis 48 Stunden dauern wird.
Carson sagte dem Magazin "Stern": "Wir werden Schritt für Schritt vorgehen und sehr genau beobachten, was geschieht." Wenn Lea und Tabea die Operation überstehen, werden sie nach Angaben Carsons wahrscheinlich nach einem Tag wieder wach sein und "nicht sehr lange" auf der Intensivstation bleiben.
Die Eltern der Zwillinge hatten in "stern tv" erklärt, sie wollten die Operation nicht über Monitor mitverfolgen. Die Familie stammt aus Lemgo in Ostwestfalen. Der Vater zeigte sich zuversichtlich, dass Gott ihm nicht mehr auferlege, als er tragen könne. Die Familie gehört der Freikirche der Mennoniten an.