Sicherheitslage in Athen: Bin Laden im Stadion - DER SPIEGEL
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Sicherheitslage in Athen Bin Laden im Stadion

Katastrophale Sicherheitsmängel hat eine britische Zeitung den Veranstaltern der Olympischen Spiele bescheinigt. Unbemerkt habe ein Reporter Bombenattrappen platzieren können. Dabei nannte sich der Mann "Bin Laden".
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London - Einem Reporter des "Sunday Mirror" sei es gelungen, auf dem Gelände des Olympiastadions von Athen drei Pakete mit Kabeln, Batterien und Drähten zu verstecken. Die Pakete seien nicht entdeckt worden. Mit Zugangspässen, die auf die fiktiven Namen "Michael Mouse" und "Robert Bin Laden" ausgestellt waren, sei er bei der Eröffnungsfeier ins Olympiastadion gelangt. Dabei sei er bis auf 20 Meter an die Ehrengäste vorgelassen worden. In diesem Bereich hielten sich zahlreiche Staats- und Regierungschefs auf, darunter der britische Premierminister Tony Blair.

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Foto: EPA/DPA

Der Journalist, der im wirklichen Leben Bob Graham heißt, habe sich vor fünf Wochen als Fahrer anstellen lassen, auch dabei sei er nicht überprüft worden. Es habe kein offizielles Vorstellungsgespräch gegeben, er sei auch nicht nach Referenzen gefragt worden.

Ein Sprecher des Organisationskomitees Athoc erklärte dazu, dass ein "Robert Bin Laden" als technischer Mitarbeiter eines Subunternehmers im Rahmenprogramm der Eröffnungsfeier beschäftigt gewesen sei. Der Mann habe aber sämtliche Personalchecks durchlaufen, seine Daten seien bekannt. Der Reporter sei von den Überprüfungen nicht in Kenntnis gesetzt worden. Dass die Attrappen nicht entdeckt worden seien, sei einfach zu erklären: Sie waren ja harmlos.

Sprengstoff-Spürhunde werden eingesetzt, um sicherzustellen, dass keine Bomben im Olympia-Stadion versteckt werden - und keine Sandwich-Beutel, die mit elektrischen Kabeln oder anderen Dingen gefüllt sind, die man normalerweise auf einer Baustelle findet", sagte der Sprecher. "An solchen Orten findet man gewöhnlich Tüten und Kisten, aber wenn von ihnen keine Gefahr ausgeht, reagieren die Hunde nicht auf sie." Von Sicherheitsmängeln könne also keine Rede sein. Der Bericht sei in weiten Teilen "fern jeder Wirklichkeit".

Graham hatte den Organisatoren vorgeworfen, das Leben der Athleten und Zuschauer zu gefährden. "Die Sicherheitsvorkehrungen sind einfach entsetzlich. Die Spiele sind ein wahr gewordener Traum für Terroristen", beschreibt Graham in dem Boulevard-Blatt.

Graham berichtete, er habe mit einem Lieferwagen regelmäßig den Sicherheitsbereich passieren können. Die Sicherheitskräfte hätten nie die Dutzenden Eisbeutel überprüft, die er für die Arbeiter gebracht habe. "Ich hätte eine große Menge Sprengstoff transportieren können." Da die Behörden stetig beteuerten, die Spiele seien sicher, handele es sich um "einen Skandal olympischen Ausmaßes".

Die griechische Regierung verurteilte das Vorgehen des Reporters. Der Minister für Öffentliche Sicherheit, Georgios Voulgarakis, nannte den Artikel eine "schwere Beleidigung des Journalismus und der Prinzipien einer objektiven und verantwortlichen Berichterstattung". "Ich möchte Herrn Graham empfehlen, weniger Detektivromane zu lesen", sagte er. Sein Ministerium erklärte, die Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen entsprächen den schärfsten internationalen Kriterien.

Die ersten Olympischen Sommerspiele seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA finden unter einem beispiellosen Sicherheitsaufgebot statt. Die 16-tägigen Wettkämpfe der rund 10.500 Athleten werden von einer siebenmal so großen Zahl von Soldaten und Polizisten überwacht. Mit rund 1,2 Milliarden Euro hat Athen viermal so viel Geld für die Sicherheit ausgegeben wie Sydney bei den Spielen im Jahr 2000.