BILDBÄNDE Sieg der Worte
Ein Bild, behaupten Fotografen gern, sagt mehr als tausend Worte. Dieses Foto zum Beispiel: Mick Jagger, im weißen Bademantel, 1975 fotografiert, mit einem Handtuch um den Kopf und im Hotellift stehend, hochkonzentriert nach dem Konzert. Oder Demi Moore, ein berühmtes Cover-Porträt für die Zeitschrift »Vanity Fair«, die Schauspielerin ist nackt, hochschwanger, dabei entrückt wie eine Marienerscheinung. Oder die Aufnahme der grienenden Whoopi Goldberg, in einer Badewanne voller Milch. Es sind Bilder der US-amerikanischen Fotografin Annie Leibovitz, die sich eingeschrieben haben in das kulturelle und gesellschaftliche Gedächtnis Amerikas. Ein neuer Fotoband fasst nun Aufnahmen aus den Jahren 1972 bis 2008 zusammen: Viele ihrer berühmten Porträts sind darunter, aber auch seltene Momentaufnahmen, Bilder ihrer verstorbenen Lebensgefährtin Susan Sontag, Reportagefotos aus Sarajevo. Das Besondere jedoch sind Leibovitz' tagebuchartigen Notizen, die die wichtigsten Fotos kommentieren. Diese Erinnerungen, Anekdoten, Reflexionen geben einen verblüffenden, ungeschützten Einblick in ihre Arbeitsweise und ihr Privatleben - Leibovitz' erster Bildband also, in dem ein paar Worte beinahe mehr sagen als tausend Bilder.
Annie Leibovitz: »At Work«. Schirmer/Mosel Verlag, München; 240 Seiten; 46 Euro.