Silvester: Drei Tote nach Explosionen - so lief der Jahreswechsel in Deutschland - DER SPIEGEL
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Überblick Friedliche Silvesterfeiern, aber auch Angriffe auf Einsatzkräfte – drei Tote nach Explosionen

Trotz aller Warnungen kam es an Silvester erneut zu tödlichen Unfällen mit Feuerwerk. In Leipzig wurde eine Polizeiwache attackiert. In Hamburg und Köln blieb es weitgehend friedlich. Der Überblick.

In ganz Deutschland haben die Menschen das neue Jahr begrüßt. Millionen feierten friedlich und ausgelassen – doch es kam auch zu schweren Zwischenfällen.

Ein 22-jähriger Mann ist im ostsächsischen Boxberg beim Zünden einer verbotenen Kugelbombe getötet worden. Der junge Mann habe bei der Explosion am Silvesterabend so schwere Verletzungen erlitten, dass er trotz Rettungsversuchen noch am Unglücksort starb, teilte ein Sprecher der Polizeidirektion Görlitz mit. Ein gleichaltriger Begleiter habe leichte Verletzungen erlitten. Die Kugelbombe sei im Ausland gekauft worden und in Deutschland nicht zugelassen gewesen.

In der Oberpfalz starb ein 18-Jähriger an Verletzungen aufgrund eines Böllers. Der junge Mann warf nach bisherigen Informationen der Polizei in Eschlkam im Landkreis Cham einen Böller in ein Kunststoffrohr, um ihn darin explodieren zu lassen. Als der junge Mann mit dem Kopf über dem Rohr gewesen sei, sei der Böller explodiert. Eine weitere Person sei bei dem Vorfall leicht verletzt worden. Weitere Angaben konnte die Polizei zunächst nicht machen.

Bereits am Sonntagabend war zudem ein 18-Jähriger in Koblenz beim Zünden eines Böllers ums Leben gekommen.

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In Würzburg wurde ein 45-Jähriger durch einen explodierenden Feuerwerkskörper schwer verletzt. Der Sprengkörper, den er eigentlich wegwerfen wollte, explodierte in seiner Hand, wie die Polizei mitteilte. Der den Angaben zufolge alkoholisierte Mann wurde an der Hand operiert.

Auch bei Landshut in Niederbayern hat sich ein 18-Jähriger mit einem Böller schwer an der Hand verletzt. Der Böller sei beim Anzünden unkontrolliert in der Hand des jungen Mannes explodiert, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Als Folge werde er wohl zwei Finger verlieren, hieß es. Die Polizei sei darüber hinaus zwar bei einer »erheblichen Anzahl« an Einsätzen gefordert gewesen, größere Zwischenfälle habe es aber nicht gegeben.

Bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers wurde auch ein Zwölfjähriger in Inzell in Oberbayern am Ohr verletzt. Ein Mann habe in der Nähe des Jungen eine Batterie mit mehreren Schüssen angezündet, sagte ein Sprecher der Polizei. Vermutlich aufgrund eines Defekts sei es dann zu mehreren Querschlägern gekommen, von denen einer direkt neben dem Kopf des Jungen explodiert sei. Der Zwölfjährige musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei sucht den Mann, der das Feuerwerk anzündete, und ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Angriffe auf Polizei und Feuerwehr

In Leipzig kam es in der Silvesternacht zu Angriffen auf die Polizei. Unbekannte warfen Gegenstände auf eine Polizeiwache, wie ein Polizeisprecher am Morgen mitteilte. Gegen Mitternacht hatten sich den Angaben zufolge etwa 3000 Menschen an einer Kreuzung versammelt und aus Pyrotechnik, Müll und Baustellabsperrungen vier Feuer entzündet. Polizei rückte mit Wasserwerfern an, um zu löschen. Zu Auseinandersetzungen oder direkten Angriffen auf Beamte soll es nicht gekommen sein. Der Polizeisprecher nannte es eine »silvestertypische Nacht«.

Mit Steinen und Feuerwerk wurden in Solingen mehrere Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei bei einem Brandeinsatz angegriffen. Verletzt wurde niemand. Die Polizei geht davon aus, dass 30 bis 40 Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren an den Angriffen beteiligt waren. Die Täter blieben unbekannt. Der Einsatz dauerte rund dreieinhalb Stunden, mehr als 60 Polizistinnen und Polizisten waren demnach beteiligt.

In Bremerhaven wurden zwei Feuerwehrmänner bei einem Einsatz mit Feuerwerk beschossen und verletzt. Die Männer mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie ein Sprecher am Neujahrsmorgen sagte. Ihm zufolge war die Feuerwehr zu einem Brand auf einem Parkplatz im Stadtteil Leherheide gerufen worden. Dort feuerten demnach mehrere Personen Feuerwerk in Richtung der Einsatzkräfte ab.

Weitgehend friedlich in Köln und Hamburg

An Silvester gilt zwar rund um den Kölner Dom Böllerverbot, Raketen dürfen aber abgefeuert werden

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Foto: Christoph Hardt / IMAGO / Panama Pictures

In Köln wurde nach einem Terroralarm der Jahreswechsel am Dom unter hohen Sicherheitsmaßnahmen begangen. Dabei sei es weitgehend ruhig geblieben. »Ein paar Böllerwerfer, einige Ingewahrsamnahmen, nichts Ungewöhnliches«, sagte ein Polizeisprecher. Die meisten Feiernden hätten sich auch an das Böllerverbot in Teilen der Kölner Innenstadt gehalten. Auf der Domplatte und dem Bahnhofsvorplatz sei es weitgehend friedlich zugegangen. Nach den Erfahrungen des Vorjahres hatte Köln erstmals eine große Böllerverbotszone in der kompletten linksrheinischen Innenstadt eingerichtet.

In Hamburg haben die Aufräumarbeiten begonnen, rund 14 Tonnen Glasscherben, Flaschen, Kartonagen und Böllermüll sind laut Stadtreinigung zusammengekommen

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Foto: Christian Charisius / picture alliance / dpa

In Hamburg feierten laut Polizei allein an der Reeperbahn bis zu 45.000 Menschen ins neue Jahr. Viele Feiernde drängten sich nach Mitternacht im Bereich der Großen Freiheit. An den Landungsbrücken mit Blick auf den Hafen verfolgten zudem 10.000 Menschen das Silvesterfeuerwerk. Rund um die Binnenalster, wo Feuerwerk nicht gestattet war, zählten die Beamten 5000 Menschen. Größere Zwischenfälle meldete die Polizei nicht. »Bei den Einsätzen befinden wir uns bisher im normalen Silvestergebaren«, hatte ein Sprecher in der Nacht erklärt. Am Mittag teilte die Polizei mit, es habe insgesamt zwischen 18 Uhr am Sonntag und 6 Uhr genau wie zum letzten Jahreswechsel rund 1200 Einsätze gegeben.

Silvesterfeuerwerk erhellt den Himmel über der Münchner Innenstadt

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Foto: Lennart Preiss / picture alliance / dpa

Die Polizei in München rückte in der Silvesternacht zu 490 Einsätzen aus, wie ein Sprecher mitteilte. Dabei handelte es sich den Angaben nach etwa um mehr als 25 Brände, 70 Einsätze wegen Pyrotechnik, 20 Ruhestörungen und 15 Körperverletzungsdelikte. Die meisten Menschen hatten sich in der Silvesternacht demnach auf dem Marienplatz vor dem Rathaus versammelt. Dort zählte die Polizei zeitweise bis zu 10.000 Menschen, die das neue Jahr begrüßten. Die Feuerwehr meldete am Morgen 640 Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst, darunter zwei Großbrände. In einem Hochhaus im Stadtteil Perlach geriet ein Balkon in Brand, eine Bewohnerin habe schwere Verbrennungen erlitten. In Solln standen den Angaben nach zwei Autos und ein Gebäude in Brand. Verletzte gab es demnach nicht.

Das traditionelle Höhenfeuerwerk am Ostseestrand

Das traditionelle Höhenfeuerwerk am Ostseestrand

Foto: Stephan Schulz / dpa

In Mecklenburg-Vorpommern verfolgten Hunderte Schaulustige das traditionelle Höhenfeuerwerk am Ostseestrand. Allerdings gab es auch mehrere Zwischenfälle, die etwa die Polizei im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Rostock beschäftigten. Insgesamt seien Beamte zu 30 Feuern ausgerückt, bei denen es vor allem um brennende Mülltonnen oder Altkleidercontainer ging. Auf dem Margaretenplatz seien mehrere Tannenbäume in Brand gesetzt worden, die jedoch von der Feuerwehr schnell wieder gelöscht werden konnten.

sak/dpa