SKL-Multimillionärin: Die Hatz beginnt - DER SPIEGEL
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SKL-Multimillionärin Die Hatz beginnt

Die Frau, die den bislang höchsten Geldgewinn der deutschen TV-Geschichte einheimste, hat ein Problem. Die hohe Gewinnsumme könnte Betrüger auf den Plan rufen. Und: Das Gesicht der Gewinnerin ist über Millionen von Fernsehbildschirmen geflimmert.
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München - Was derzeit in dem kleinen idyllischen Örtchen Ehingen-Nasgenstadt bei Ulm geschieht, mutet an wie eine Mediensatire - ist aber knallharte Realität. Gestern war Waltraud Kretschmann, 47, noch eine von Millionen Lotteriespielerinnen. Heute ist sie die gefragteste Millionärin Deutschlands.

Vor ihrer Wohnung tauchen reihenweise Fotografen auf, die das Telefon hinter den herabgelassenen Rollläden unentwegt klingeln hören. Am Vorabend waren fast zehn Millionen Fernsehzuschauer Zeugen des Millionencoups gewesen.

Kretschmann, die am Sonntagabend in der "SKL-Show" zehn Millionen Mark gewann, ist mit ihrer Familie erst einmal in die Anonymität eines geheimen Hotels "irgendwo in Deutschland" geflüchtet, wie die betreuende SKL-Vertreterin mitteilte. Die beiden Töchter Silke, 15, und Karina, 12, wurden sofort nach Kretschmanns Sieg von SKL-Mitarbeitern zu Hause in Ehingen-Nasgenstadt abgeholt und nach München gebracht, wo die Sendung aufgezeichnet worden war. "Man konnte sehen, dass die Familie einen starken Zusammenhalt hat", sagte Pressesprecherin Beate Ludwig. Für alle Fälle hielt die SKL auch eine Psychologin in Bereitschaft. "Frau Kretschmann hatte aber keinerlei Bedarf, sie machte einen sehr stabilen Eindruck", betonte Ludwig.

"Gefahr" Millionengewinn

Dabei ist es nicht einfach, mit plötzlichem Reichtum derart öffentlich umzugehen, weiß der Bremer Glücksspielforscher Gerhard Meyer. In einem Interview mit dem Deutschen Depeschendienst erklärte er, dass Glücksspielgewinner, die aller Welt von ihrem Geldsegen berichten, "deutlich häufiger scheitern", als diejenigen, die anonym bleiben. Anders als "normale" Lottogewinner kann die Familie Kretschmann überhaupt nicht mehr frei entscheiden, wem sie sich anvertraut. Längst sind viele Details über die Lebensumstände an die Öffentlichkeit gedrungen. Daher "besteht" selbstverständlich "die Gefahr, dass plötzlich falsche Freunde und Berater auftauchen, die nur von dem Gewinn profitieren wollen", warnte Meyer. Bedenken hat der Experte vor allem, weil Familie Kretschmann mit ihrem Traum-Gewinn in der Öffentlichkeit steht. Meyer empfahl der Familie dringend, sich nur von seriösen Einrichtungen beraten zu lassen und nicht auf "dubiose Geschäftsleute" zu hören. Denkbar sei auch, dass die frisch gebackenen Multimillionäre grundsätzlich von Zweifeln geplagt würden, wer nun eigentlich noch echter Freund ist und wer eher am Geld der Familie interessiert ist.

"Es sind völlig neue Herausforderungen, mit denen die Gewinner plötzlich konfrontiert sind. Da muss man Ruhe bewahren", schloss Meyer. Öffentliche Neider gibt es bislang aber nicht. Die Kandidaten, denen sie die Millionen gewissermaßen vor der Nase weggeschnappt hat, seien regelrecht erleichtert gewesen, dass der Kelch an ihnen vorüberging, sagte Pressesprecherin Ludwig. Zumal vor Manfred Strickers Haus in Osterode bereits Kamerateams gestanden hatten, als er zuvor für einen Abend den Millionärs-Thron besetzte. Lediglich Kandidatin Edith Glamann habe sehr bedauert, ohne zehn Millionen nach Hause zu gehen. Sie hatte sich schon diverse Hilfsprojekte in Afghanistan ausgemalt, die sie mit dem Gewinn hätte fördern wollen.

Das Angebot der SKL, einen unabhängigen Anlageberater zu vermitteln, lehnte Familie Kretschmann zunächst ab. Erst wollen sie sich selbst in Ruhe Gedanken machen. Auf jeden Fall möchte Kretschmann das unauffällige Reihenhaus durch ein schöneres, neueres, größeres Heim ersetzen.