Hitzewelle: "Zadok" grillt Deutschland
Sommer extrem Deutschland ächzt unter Mega-Hitze
Hamburg - "Es wird heiß", sagt der Meteomedia-Meteorologe Thomas Sävert und setzt schnell hinzu, "sehr, sehr heiß." Das Hoch "Zadok" werde Deutschland am Wochenende erneut in einen Glutofen verwandeln, die Temperaturen schössen bis auf 37 Grad, örtlich vielleicht sogar auf 38 Grad, und Abkühlung sei für längere Zeit nicht in Sicht.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prophezeit im Süden und Südwesten örtlich sogar 39 Grad Celsius. Fraglich bleibt demnach, ob der seit fast 60 Jahren bestehende Rekord für die erste Juli-Dekade überboten wird. Am 2. Juli 1952 wurden in Bad Dürkheim und Heidelberg 39,5 Grad gemessen.
Schon am Freitagvormittag schwitzten die Kölner bei 33 Grad, im Laufe des Tages sollte sich die Hitzewelle dann weiter nach Osten schieben. Am Wochenende wird die Super-Sonnen-Front Berlin und Brandenburg erreichen, während es an den Küsten etwas kühler bleibt. Im Westen kommt es im Laufe des Wochenendes zu heftigen örtlichen Gewittern, die auch Hagel bringen können.
Auch die Nächte, sagt Meteomedia-Mann Sävert, bescherten keine deutliche Linderung, gerade in den Städten bliebe es mit über 20 Grad weiterhin sehr warm, nur auf dem Land fielen die Temperaturen zeitweilig und örtlich auch einmal auf 17 Grad. Der Osten jedoch werde "regelrecht ausgetrocknet", die Waldbrandgefahr dort sei sehr groß.
"Die Deutschen packen die Koffer"
Ein Ende der Schönwetterperiode ist auch nicht in Sicht, was sich auf das Urlaubsverhalten der Bundesbürger auswirkt. "Sobald die Sonne scheint, packen die Deutschen die Koffer", sagte die Sprecherin des Deutschen Tourismusverbands in Bonn, Nicole Habrich. Bei den Reiseveranstaltern und Hotels klingelten die Telefone, sobald die Sonne scheine. Im Trend lägen Kurzurlaube wie Wochen- und Wochenendtrips, sei es an die Küste oder nach Bayern. "Deutschland ist der Deutschen liebstes Reiseziel", so Habrich.
Sie wollte nicht ausschließen, dass schönes Wetter auch den Entschluss bestärkt, Urlaub zu Hause auf dem Balkon oder im Garten zu machen. Mit Zahlen belegen lasse sich ein solcher Trend aber nicht.
Der Deutsche Bauernverband rechnet derweil wegen der Hitze mit massiven Ernteschäden. "Wir befürchten das Schlimmste", sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner den "Ruhr Nachrichten". Besonders betroffen seien Gebiete mit sandigen Böden, insbesondere in Ost- und Norddeutschland. In manchen Gebieten Bayerns und Baden-Württembergs sehe es dagegen "noch relativ gut aus". In normalen Jahren würden in Deutschland rund 47 Millionen Tonnen Getreide geerntet.
"Wenn es bei dieser Wetterlage bleibt, werden es einige Millionen Tonnen weniger sein", sagte Sonnleitner dem Blatt. Für die nächsten zehn Tage seien ausschließlich Hitze und Sonnenschein angesagt. "Da kann uns das Getreide auf den Feldern regelrecht wegbrennen. Wenn es mehrere Tage zu heiß ist, schalten Weizen und andere Getreidesorten auf Notreife um", so Sonnleitner.