Sommer in Deutschland An die Pumpen, marsch!
Hannover/Hamburg - Besonders ergiebig regnete es nach Auskunft der Meteorologen in Sachsen-Anhalt und Nordthüringen. Auf dem Brocken wurden zwischen Mittwochmorgen und Donnerstagmorgen 155 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen - so viel wie noch nie an einem Julitag seit Beginn der Wetteraufzeichnung.
Auf der A 21 bei Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) wurde ein 46-jähriger Autofahrer schwer verletzt, als sich sein Wagen wegen Aquaplanings überschlug. Im Landkreis Stade in Niedersachsen wurde am Vormittag Katastrophen-Voralarm ausgerufen, nachdem der Damm eines Rückhaltebeckens gebrochen war.
In Schleswig-Holstein und Hamburg kämpften die Einsatzkräfte auch am Mittag nach starken Regenfällen mit überflutete Straßen und vollgelaufenen Kellern. Einer der Schwerpunkte war Lübeck. Dort fielen in 24 Stunden 96 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Der nördliche Teil der A1 von Oldenburg nach Lübeck musste in den Morgenstunden wegen Überflutungen gesperrt werden. Die Einsatzkräfte in Hamburg rückten in der Nacht 170 Mal aus. Die Tendenz sei noch immert steigend, betonte der Sprecher der Feuerwehr, Gerd Bramfeld.
In Ilsenburg in Sachsen-Anhalt trat die Ilse über die Ufer. 20 Menschen mussten mit Schlauchbooten aus ihren Häusern evakuiert werden, teilte ein Sprecher der Polizeidirektion Halberstadt mit. In Ilsenburg rissen die Wassermassen eine Terasse mit. Die B6 zwischen Quedlinburg und Westerhausen wurde in beiden Richtungen gesperrt.
Im Osten Niedersachsens liefen Teiche und Rückhaltebecken über. In den Kreisen Helmstedt und Wolfenbüttel drohen wegen der Wassermassen Dammbrüche. Die Anwohner wurden aufgefordert, ihre Keller vor Überflutung zu schützen. In Eutin in Ostholstein schlug der Blitz in die Rettungsleitstelle von Polizei, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk ein. Der Notruf war überlastet.
In Niedersachsen musste die Autobahn A 39 in Fahrtrichtung Braunschweig bei Salzgitter-Thiede nach einem Erdrutsch voll gesperrt werden. Auch die Bundesstraße B 4 war wegen Überflutung zwischen Bad Harzburg und Torfhaus nicht befahrbar. Bei Billerbeck trat die Leine über die Ufer und machte eine Landesstraße unpassierbar. Die Menschen in Braunschweig, Goslar und Hannover hatten ebenfalls unter den Wassermassen zu leiden.
Die Polizei in Braunschweig verzeichnete in der Nacht zum Donnerstag rund hundert Einsätze im gesamten Stadtgebiet. Vielerorts seien auf Grund des aufgeweichten Bodens Bäume umgestürzt. Der Berufsverkehr wurde auf einigen Ausfall- und Nebenstraßen stark behindert.
Am Abend und in der Nacht hatte es auch in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern Unwetter gegeben. Nur in Baden-Württemberg waren die erwarteten schweren Güsse ausgeblieben.
Die Meteorologen hoben am Donnerstagmorgen die Unwetterwarnungen für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder auf. Trotzdem sei mit ergiebigen Regenfällen vom Harz bis nach Ostfriesland zu rechnen. Im Westen mache sich das Hoch "Brian" bemerkbar, so der Wetterdienst Meteomedia.
Auch für das Wochenende sagen die Meteorologen wechselhaftes Wetter voraus. Nur für den Süden prognostizieren sie etwas Sonnenschein, im übrigen Deutschland drohen weitere Regengüsse.