Sommerwochenende So heiß ist Deutschland
Hamburg - Sie machte sich allein auf den Weg - um 5 Uhr in der Früh: Eine Wiesbadener Polizeistreife entdeckte am Morgen ein kleines Mädchen, das einen Spaziergang unternommen hatte. Die Vermutung der Beamten: Der Dreijährigen war es zu warm in der Wohnung, also ging sie einfach raus.
Bei Höchsttemperaturen von rund 30 Grad Celsius kam Deutschland ins Schwitzen. Doch während das schöne Wetter im Norden noch anhält, sorgten schwere Gewitter in Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland für heftige Regenfälle.
Ein Blitz löste am Donnerstagabend ein Großfeuer in einem Bauernhof im mittelfränkischen Wassertrüdingen aus. 20 Tiere wurden bei dem Vorfall getötet und ein angrenzendes Wohngebäude zerstört, wie die Polizei mitteilte. Weitere rund 250 Schweine konnten aus dem einstürzenden Stall in Sicherheit gebracht werden. Der Schaden liegt bei mindestens 300.000 Euro.
In München schlug ein Blitz in einen Biergarten ein. Verletzt wurde niemand - allerdings wurden Besucher und Betreiber in Angst und Schrecken versetzt. "Es war schrecklich", sagte Wirtin Eva Bachmeier. Mit zwei Kollegen habe sie in der Küche gearbeitet, als sie am Donnerstag gegen 19 Uhr aufgeschreckt wurde: "Es war ein Knall, wie ich ihn in meinem ganzen Leben noch nicht gehört habe." Der Blitz sei völlig überraschend eingeschlagen: "Es war bewölkt, aber es hat nicht geregnet - nur ganz weit weg war ein Donnergrollen." Laut Medienberichten handelte es sich um einen Kugelblitz, von offizieller Seite konnte das aber niemand bestätigen.
Gewitter mit heftigen Regenfällen haben am Freitag auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland für Überflutungen gesorgt. In Koblenz liefen laut Polizei einige Unterführungen und Keller voll, zudem stürzten Bäume auf die Fahrbahn. Die Stadt sei aber noch "einigermaßen glimpflich" davongekommen, teilte die Polizei mit. Auch in der Mainzer Innenstadt goss es wie aus Kübeln, Hagelkörner ließen Rasenflächen winterlich erscheinen. Größere Schäden wurden aber in der Landeshauptstadt nicht gemeldet.
Die Aussichten: heiter bis wolkig
"Wir haben derzeit richtig viel zu tun", sagte ein Sprecher der Berufsfeuerwehr in Saarbrücken. Die häufigsten Einsätze gab es wegen vollgelaufener Keller und überfluteter Straßen in etlichen Orten des Regionalverbands und im benachbarten Saar-Pfalz-Kreis. Der Deutsche Wetterdienst hatte für den Nachmittag im Saarland vor Gewittern mit Sturmböen, Starkregen und Hagel gewarnt. Mancherorts könnten bis zu 100 Liter pro Quadratmeter fallen.
Die Badeorte an der Küste und auf den Inseln rechnen indes an diesem Wochenende wegen des Ferienbeginns in Nordrhein-Westfalen mit einem Ansturm von Urlaubern. Dazu kämen die Sonnenanbeter und Wassersportler aus dem Umland, sagte Oliver Melchert von der Nordsee GmbH. "Dieses Wochenende wird die erste große Herausforderung." Traditionell seien vor allem die Inseln gefragt, aber auch die Unterkünfte an der Küste seien gut gebucht.
Zu Beginn der kommenden Woche wird es laut Meteorologen eine Abkühlung geben. Am Samstag erreicht eine Gewitterstörung die Osthälfte Deutschlands, dabei muss erneut lokal mit Unwettern gerechnet werden. Im Westen hingegen beruhigt sich das Wetter. Die Temperaturen liegen bei weiterhin großer Schwüle zwischen 26 und 30 Grad.
In der Nacht zum Sonntag gibt es vor allem in der Osthälfte einzelne Schauer und Gewitter, im Westen bleibt es meist trocken und klar. Bis zum frühen Morgen sinkt die Temperatur auf 20 bis 14 Grad.
Tagsüber entwickeln sich vor allem im Osten und Süden, später auch im Westen zum Teil kräftige Gewitter, die lokal begrenzt mit Hagel, Starkregen und Sturmböen einhergehen. Die Höchstwerte liegen zwischen 23 Grad im Nordwesten und bis 28 Grad im Süden und Osten. Dabei herrscht in den Niederungen vielerorts noch eine hohe Wärmebelastung.
Am Montag gibt es bei wechselnder Bewölkung vor allem nach Norden hin einzelne schauerartige Regenfälle. Besonders in Alpennähe sind anfangs noch kräftige Gewitter möglich. Die Temperaturen steigen auf 21 Grad im Norden und bis 25 Grad im Süden.