Sonnentempler- Prozess Dirigent Tabachnik frei
Grenoble - Tabachnik, 58, war vor dem Strafgericht in Grenoble der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung angeklagt gewesen. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Gefängnis ohne Bewährung gefordert, der Verteidiger auf Freispruch plädiert. Der Orchesterchef mit Schweizer und französischem Pass war verdächtigt worden, mitverantwortlich für die Massenselbstmorde von Sektenmitgliedern der Sonnentempler zwischen Oktober 1994 und März 1997 zu sein.
Die verschiedenen Massenselbstmorde der Sonnentempler-Sekte, bei denen insgesamt 74 Menschen starben, waren mit dem Prozess erstmals aufgerollt worden. Tabachnik war als Theoretiker der Sekte und als "Nummer drei" in der Hierarchie eingestuft worden. Er bestritt während des Prozesses alle Vorwürfe, mit Publikationen zu den Selbstmorden beigetragen zu haben. Zeugen beschrieben den gestorbenen mutmaßlichen Sektenführer Joseph di Mambro als Anstifter der Selbstmorde.
Angehörige der Opfer hatten dem Orchesterchef jedoch während des Prozesses vorgehalten, moralisch verantwortlich für die Selbstmorde zu sein und die Sektenmitglieder "manipuliert" zu haben. Tabachnik war bei der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal. Er hatte den Prozess als eine "fürchterliche Prüfung" bezeichnet. In Grenoble ging es konkret um einen Sonnentempler-Massenselbstmord auf französischem Boden, bei dem im Dezember 1995 im Vercors-Massiv 16 Menschen starben.