Sorge nach Reaktorunfall: Berliner kaufen Jodtabletten - DER SPIEGEL
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Sorge nach Reaktorunfall Berliner kaufen Jodtabletten

Nach der Atomkatastrophe in Japan herrscht auch in Teilen Deutschlands Sorge: In Berlin beispielsweise fragen Kunden in Apotheken vermehrt nach Jodtabletten. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände rät indes von einer Einnahme ab.
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Berlin - Aus Sorge vor den Auswirkungen der Reaktorunfälle in Japan fragen besorgte Berliner in Apotheken vermehrt nach hochdosierten Jodpräparaten: Viele Kunden wollten die Jodtabletten aber nicht selbst nehmen, sondern zu Freunden und Bekannten nach Japan schicken, sagte Apothekerin Constanze Kinder von der Esmarch-Apotheke in Prenzlauer Berg am Montag.

Experten in Deutschland raten jedoch von einer vorbeugenden Einnahme von Jod ab. Die Bundesbürger sollten Jodtabletten, wenn überhaupt, nur nach ausdrücklicher behördlicher Aufforderung einnehmen, erklärte die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Erika Fink, am Montag in Berlin. Eine Einnahme der Mittel auf eigene Faust sei ausdrücklich nicht zu empfehlen. Jodtabletten können bei einem Atomunfall die Aufnahme von radioaktivem Jod im Körper blockieren.

Auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) rät ab. "Das nutzt nur etwas, wenn es eine radioaktive Wolke direkt über Deutschland geben sollte", sagte Apothekerin und ABDA-Sprecherin Ursula Sellerberg.

Selbst wenn eine solche Gefahr drohe, solle hochdosiertes Jod nur nach Aufforderung der Gesundheitsbehörden genommen werden. "Bei Erwachsenen über 45 Jahren kann zu viel Jod sonst das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen steigern", erläuterte Sellerberg.

Eine mit Jod gesättigte Schilddrüse nimmt kein radioaktives Jod auf

Radioaktives Jod wird vom Körper über die Luft, über Nahrung und Getränke oder über die Haut aufgenommen. Es reichert sich in der Schilddrüse an und kann dort zu Organschäden führen. Eine mit Jod gesättigte Schilddrüse wird weniger oder kein radioaktives Jod aufnehmen. Deshalb kann durch die Einnahme von Jodtabletten die Speicherung von radioaktivem Jod verhindert werden. Jodtabletten schützen aber nicht vor anderen radioaktiven Stoffen.

Für die Blockade der Aufnahme radioaktiven Jods reicht nach Angaben der Apothekerkammer im Regelfall eine einmalige Einnahme von Kaliumiodid als Notfallmedikament. Erwachsene über 45 Jahren sollten zudem grundsätzlich keine hochdosierten Jodtabletten einnehmen, da diese das Risiko für schwerwiegende Schilddrüsenerkrankungen erhöhen. Auch wer zum Beispiel auf Jod überempfindlich reagiert oder eine Schilddrüsenüberfunktion hat, sollte auf die vorbeugende Jodeinnahme verzichten.

jjc/dpa