Sorgen um den Papst "Ein Gefangener seines Körpers"
Rom - Als Johanes Paul II. am Ende der Karfreitagsprozession das Kreuz nicht mehr tragen konnte, fürchteten viele eine neue Gesundheitskrise. "Er ist entkräftet", meinte ein Vatikan-Kenner. Ostern sind schon für die Hunderttausende von Pilgern und Touristen in der Ewigen Stadt eine Strapaze - für den Papst ist das Fest die größte Herausforderung im Kirchenjahr.
Im Heiligen Jahr hatte sich der Pole besonders viel aufgeladen: Schon am Gründonnerstagmorgen wurden zunächst im Petersdom die Heiligen Öle geweiht, dann wusch er eigenhändig zwölf Priestern die Füße. Am Karfreitag nahm er Gläubigen die Beichte ab, es folgte der stundenlange Kreuzweg am Kolosseum. Zehntausende von Pilgern, darunter viele Deutsche, sahen, wie sich der alte Mann plagte. Nur mühsam kam er auf den steilen Straßen voran, vor einer Treppe schien er zu straucheln, der einst leidenschaftliche Wanderer musste den Stock zur Hilfe nehmen.
Doch Johannes Paul II. erholte sich. Ob die Osterwacht am späten Samstagabend oder die große Messe am Ostersonntag auf dem Petersplatz vor 100.000 Menschen - der Papst schien, wie so oft in den vergangenen Jahren, wieder Kraft zu haben. Leidenschaftlich war sein Plädoyer für Frieden und Gerechtigkeit. "Überwindet den Egoismus", war das Motto seiner Osterbotschaft.
Am Sonntag sagte der Pariser Erzbischof Kardinal Jean-Marie Lustiger in der Zeitung "Le Journal du Dimanche", Papst Johannes Paul II, "der einmal ein Athlet war, er wird aber mehr und mehr zum Gefangenen seines Körpers." Dabei habe er eine "geistige Stärke, intellektuelle Fähigkeiten und ein Gedächtnis, die für einen bald 80-Jährigen bemerkenswert sind." Der Papst leidet unter der Parkinsonschen Krankheit, einer fortschreitenden Nervenstörung. Er wird am 18. Mai 80 Jahre alt.