Jubel in Spanien: Olé olé olé
EM-Jubel in Spanien "Jetzt können wir die Krise vergessen"
Madrid/Rom - Sie rissen sich die T-Shirts vom Leib, schwenkten euphorisch ihre rot-gelben Flaggen: In Madrid feierten Hunderttausende den Sieg der spanischen Nationalmannschaft. Allein beim zentralen Public Viewing kamen Zehntausende zusammen.
Während des Spiels waren die Straßen in der Hauptstadt teilweise menschenleer - es zählte nur der Fußball. Umso gelassener ist nun die Stimmung: "Wir brauchen diesen Sieg so dringend, um die ewige Wirtschaftskrise zu vergessen", sagt ein jubelnder Fan.
Das Zentrum der Jubelfeiern war die Fanmeile rings um das Madrider Bernabéu-Stadion, wo Zehntausende den 4:0-Sieg der spanischen Nationalelf miterlebt hatten.
In vielen spanischen Städten waren Großbildschirme aufgestellt worden, auf denen die Anhänger die Partie verfolgen konnten. Nach dem Abpfiff des Spiels in Kiew zündeten jubelnde Fans Feuerwerkskörper und fuhren mit ihren Autos hupend durch die Straßen. Sie schwenkten rot-gelbe Fahnen und skandierten "Campeones". Vielen zogen zum Cibeles-Brunnen, an dem auch Real Madrid seine großen Triumphe feiert.
Die eigentliche Siegesfeier ist für Montagabend geplant. Dann soll die Nationalelf nach ihrer Rückkehr aus der Ukraine zunächst von König Juan Carlos im Madrider Zarzuela-Palast empfangen werden und anschließend in einem offenen Bus durch das Zentrum der Hauptstadt fahren.
"Die Selección hat erreicht, dass Millionen von Spaniern glücklich sind", sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy. "Dieser Erfolg will etwas heißen."
Im EM-Stadion in Kiew zeigte sich auch der spanische Trainer Vicente del Bosque gerührt: "Ich bin ganz stolz auf meine Spieler, das war klasse. Die ganze Mannschaft hat zusammengehalten. Wir haben Ballbesitz gehabt, das war und ist unser Spiel. Das ist unser Geheimnis."
In Rom hingegen nahm das Public Viewing ein abruptes Ende: Die Übertragung musste wenige Minuten vor Spielende abgebrochen werden. Frustrierte Anhänger hatten auf dem Circus Maximus Nebelkerzen, Knallkörper und andere Gegenstände gegen die Großbildschirme geworfen.
Bürgermeister Gianni Alemanno hatte den Circus Maximus für das Spektakel freigegeben. Hunderttausende Fans waren dorthingeströmt und verfolgten das Spektakel auf vier großen Bildschirmen. Die antike Spiel- und Vergnügungsanlage Roms war so gut gefüllt wie 2006. Damals allerdings konnten die Italiener hier frenetisch ihren WM-Titel feiern.
"Wir verlieren gegen die stärkste Mannschaft der Welt"
Fassungslos, entsetzt und wütend hatten die Tifosi von Nord bis Süd die herbe Niederlage ihrer Squadra Azzurra beim Public Viewing verfolgt. Die Nationalhymne sangen sie noch gemeinsam mit Torhüter Gianluigi Buffon inbrünstig mit. Doch die Tröten und Trompeten verstummten, als die spanischen Tore fielen.
Für Hunderttausende Italiener war es ein Unglückstag: "Wir sind dabei, gegen die stärkste Mannschaft der Welt zu verlieren", sagte ein Kommentator des italienischen Fernsehsenders Rai verzweifelt.
Unter einer Hitzeglocke mit Rekordtemperaturen von bis zu 40 Grad waren die italienischen Fußballfans überall im Land zusammengeströmt. Auf den großen Plätzen in den Großstädten wie Mailand, Turin, Rom oder Neapel verfolgten Zehntausende die eher schwache Leistung ihres Teams.
In Deutschland waren noch rund Hunderttausend Besucher auf die Fanmeile am Brandenburger Tor gekommen, um sich das EM-Finale anzuschauen. So viele habe man gar nicht erwartet, sagte eine Sprecherin des Veranstalters. Dabei seien die spanischen Fans eindeutig in der Überzahl gewesen und sie seien angesichts des 4:0-Erfolges ihrer Mannschaft über Italien in prima Stimmung gewesen. Fans beider Mannschaften feierten auf dem Kurfürstendamm.