Lärmbelästigungs-Prozess gegen Pianistin Klaviersdelikt
Pianistin Laia Martin vor Gericht: Keine Haftstrafe
Foto: Robin Townsend/ dpaGirona - Ein Lärmbelästigungsprozess gegen eine professionelle Pianistin löste in Spanien große Verwunderung bis großen Spott aus. Eine Nachbarin hatte von "schweren psychologischen Schäden" berichtet. Das Klavierspiel der 26-Jährigen habe sie um den Schlaf gebracht und Panikattacken verursacht. Mehr als sieben Jahre Haft hatte die Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich für Laia Martin gefordert. Nun entschied das Landgericht im nordostspanischen Girona: Die Musikern und ihre mitangeklagten Eltern müssen nicht ins Gefängnis.
Es gebe nicht genug Beweise, so die Begründung der Richter. Die Töne eines Klaviers könnten "zuweilen auch die ruhigsten Nerven strapazieren", doch im vorliegenden Fall entbehrten die Beschuldigungen jeder Grundlage, hieß es in der von Medien am Mittwoch veröffentlichten Urteilsbegründung.
Der Musikerin war vorgeworfen worden, als Studentin in der Pyrenäen-Ortschaft Puigcerdà mit ihrem Klavierspiel ihre Nachbarin jahrelang schwer belästigt zu haben. Ihre Eltern wurden ebenfalls angeklagt - weil sie das Klavierspiel gefördert hatten. Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft das für alle drei geforderte Strafmaß von siebeneinhalb Jahren auf 20 Monate heruntergeschraubt.
Die Nachbarin hatte die Familie laut Urteilsbegründung in früheren Jahren schon aus anderen Gründen vor Gericht gezerrt. Die Folgen der von ihr vorgeworfenen Ruhestörung seien übertrieben dargestellt, hieß es. Der Staatsanwalt hatte während der Verhandlung zu Protokoll gegeben, Martin habe an fünf Tagen in der Woche je acht Stunden Klavier gespielt.