Spionage-Desaster: BND-Maulwurf grub tiefer als vermutet - DER SPIEGEL
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Spionage-Desaster BND-Maulwurf grub tiefer als vermutet

Der enttarnte BND-Beamte, der für Bulgarien spioniert hat, beschaffte weitaus mehr Material als zunächst angenommen. Möglicherweise sind sogar die Quellen des BND auf dem Balkan gefährdet. Auch Geheimdossiers aus der Nahost-Abteilung könnten weitergegeben worden sein.
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Frankfurt/Main - Der Spionagefall um einen BND-Beamten, der für den bulgarischen Geheimdienst tätig gewesen sein soll, ist offenbar umfangreicher als bislang bekannt. Nach unbestätigten Medienberichten soll der 64-Jährige nicht nur einer bulgarischen Agentin vertrauliche Unterlagen übergeben haben, sondern auch auf einem Auslandseinsatz aktiv geworden sein.

Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" war der Mann am 1. Oktober 2001 zu einer geheimdienstlichen Aktion in Sofia eingetroffen. Sein Einsatz habe offenbar im Zusammenhang mit den Vorbereitungen des geplanten Militärschlages gegen Afghanistan gestanden. Außerdem soll er damit beauftragt gewesen sein, über Quellen Informationen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA zusammenzutragen.

Wie das Blatt weiter meldete, hatte der unter Spionageverdacht geratene Beamte bis kurz vor seiner Festnahme Anfang Oktober die für den Balkan zuständige Beschaffungsabteilung des Bundesnachrichtendienstes (BND) geleitet. Auf diesem Posten hatte der Mann einen umfassenden Überblick über die BND-Quellen in diesen Ländern. Der 64-Jährige, der seit dem 10. Oktober in Untersuchungshaft sitzt, soll seit 1999 geheime Informationen aus dem BND an den bulgarischen Nachrichtendienst weitergeleitet haben.

Nach Angaben des Blattes wurde zudem befürchtet, dass der Verdächtige nicht nur geheimdienstliche Erkenntnisse an bulgarische Agenten weitergegeben haben könnte, sondern auch Informationen über Mitarbeiter des deutschen Auslandsgeheimdienstes. Dies könne angesichts der Verquickung bulgarischer Geheimdienstler mit Mafia-Autoritäten Informanten des BND gefährden.

Außerdem sollen zu dem Verratsmaterial auch geheime Dossiers aus der Nahost-Abteilung des BND gehören. Weder von dem mit den Ermittlungen betrauten bayerischen Landeskriminalamt noch von der zuständigen Bundesanwaltschaft war am Wochenende zunächst eine Stellungnahme zu erhalten.