Sprengstoffanschlag Ist der Bombenleger ausländerfeindlich?
Düsseldorf - Experten des Bundeskriminalamtes untersuchten am Morgen den Tatort nach weiteren Spuren. Ziel der Experten ist es, den Sprengsatz zu rekonstruieren. "Wenn wir das haben, sind wir ein großes Stück weiter. Wir erhoffen uns davon Erkenntnisse auf Motiv und Hintergrund", sagte ein Sprecher.
In der Düsseldorfer Universitätsklinik gelang es den Ärzten in einer vierstündigen nächtlichen Operation, einer jungen Frau das von der Explosion abgerissenen Bein wieder anzunähen. Die Frau schwebe nicht mehr in Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher. Die im fünften Monat schwangere 26-Jährige hatte durch den Anschlag ihr Baby verloren. Der Gesundheitszustand eines ebenfalls bei der Explosion lebensgefährlich verletzten Mannes war dagegen noch unverändert kritisch.
Die Polizei ermittelt weiter in alle Richtungen. Bei den Opfern handelt es sich ausschließlich um Teilnehmer eines Sprachkurses "Deutsch für Ausländer". Die neun Opfer stammen angeblich überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion. Die meisten von ihnen sollen jüdischen Glaubens sein. Sie hätten sich auf dem Rückweg von ihrem täglichen Sprachkursus befunden, gab Staatsanwalt Johannes Mocken bekannt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Täter die Bombe platziert habe, um genau diese Gruppe zu treffen. Es gebe aber noch immer keine gezielten Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat. Erst wenn es eine gesicherte Spur in diese Richtung gebe, werde der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernehmen.
Eine in der Nacht bei der Polizei eingegangene telefonische Warnung vor einer weiteren Bombe im S-Bahn-Bereich erwies sich dagegen als schlechter Scherz. Weder Sprengstoffhunde noch zur Durchsuchung des Geländes eingesetzte Hundertschaften fanden einen weiteren Sprengkörper.