Spurensuche in Grevenbroich: Ermittler rekonstruieren Absturz des Stahlgerüsts - DER SPIEGEL
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Spurensuche in Grevenbroich Ermittler rekonstruieren Absturz des Stahlgerüsts

Das Unglück von Grevenbroich geschah in einem kritischen Moment: Als ein Riesenkran ein tonnenschweres Stahlteil auf dem Gerüst absetzen wollte, stürzte das Element in die Tiefe und tötete drei Monteure. Wie es dazu kommen konnte, ist den Ermittlern immer noch ein Rätsel.
Von Carolin Jenkner
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Grevenbroich - Materialermüdung, Fertigungsprobleme, Fehler in der Konstruktion oder menschliches Versagen: Diese vier möglichen Ursachen gibt es für das Unglück auf der Baustelle des Braunkohlekraftwerks in Grevenbroich-Neurath. Das zumindest vermuten die zuständigen Unternehmen, ein Konsortium aus Alstom und Hitachi. "Alle vier Punkte werden gleichermaßen untersucht", sagte Klaus-Dieter Rennert von der Firma Hitachi.

Bis jetzt aber konnten die Unternehmen nur wenig nach Ursachen suchen. Die Bergung der tödlich verunglückten Monteure dauerte den ganzen Tag, und auch bislang sind erst zwei der drei Toten geborgen. Die Sicherheitslage der Bergungsmannschaften hatte Vorrang. Gerade die Bergung der Opfer in 70 und 144 Metern Höhe erwies sich als schwierig.

Zumindest der ungefähre Ablauf des Unglücks ist jetzt klar: Die Arbeiten fanden am neuen Brennofen statt - einem Turm von 170 Metern Höhe, der im Moment aussieht wie ein Stahlgerüst. Dieses Stahlgerüst sollte von innen bestückt werden - wiederum mit Stahlteilen. Drei Teile waren schon montiert, als ein Großkran das vierte Element einhängen sollte. In dem Moment, in dem der Kran das Stahlelement entlastete, stürzte ein Teil davon ab - rund hundert Tonnen schwer.

Vermutlich stürzten drei Monteure mit in die Tiefe, zwei standen unten und wurden durch herabstürzende Teile verletzt. Ein Monteur blieb auf 140 Metern Höhe in seinem Sicherheitsgeschirr hängen, der zweite auf etwa 70 Metern Höhe, und ein weiterer wurde unter den Trümmern begraben. Drei Todesopfer sind zu beklagen, nachdem zunächst von fünf die Rede gewesen war - ein Übermittlungsfehler, wie sich herausstellte. Fünf schwerverletzte Monteure und der schwerverletzte Sanitäter sind mittlerweile außer Lebensgefahr.

Die Monteure kommen aus Tschechien und der Slowakei. Ein 32-jähriger und ein 35-jähriger Slowake kamen ums Leben, außerdem ein 25-jähriger Tscheche. Die verletzten Monteure sind zwischen 20 und 30 Jahren alt. Sie waren bei einem tschechischen Tochterunternehmen der deutschen Firma Bögl beschäftigt. Hitachi-Sprecher Rennert sagte, die Mitarbeiter seien sehr erfahren gewesen. Auch die Firma sei eine ausgewiesene Fachfirma, die viele Jahre Erfahrung mitbringe. Es handele sich nicht um "zusammengesuchte" Arbeiter. Einen ähnlichen Fall hat es laut Rennert in Deutschland noch nicht gegeben: "Das, was dort passiert ist, ist einmalig", sagte er.

Die RWE muss nun möglicherweise mit Zeitverzug für die Inbetriebnahme des Prestigekraftwerks rechnen. Wie hoch allerdings der Sachschaden ist, wird sich erst klären lassen, wenn die Bergungsarbeiten abgeschlossen sind. Auch die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Ob diese sich allerdings auf bestimmte Personen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ausweiten, muss sich noch zeigen.